„Jollohohoho! Heho!“ – Wagner-Wucht am Wasser

Krachend durchschlägt der Anker die Bühne der Kieler Oper – der „Fliegende Holländer“ bricht effektvoll in die beschauliche Welt eines norwegischen Segelschiffes. Das Bühnenbild von Rifail Ajdarpasic versucht mit einer schlichten Bildsprache in die Seefahrer-Welt zu versetzten – dies gelingt nur bedingt. Aus dem aufgebrochenen Boden quillt Nebel und lässt ahnen, dass hier noch Weiteres versinken wird. Am Ende passiert dies erwartete – aber als sehr eigene und „freie“ Interpretation des von Richard Wagner komponierte Endes. Damit zeigen die Kieler zu den vorhandenen zwei Versionen noch einen dritten dramatischen Schluss des Seefahrer-Epos.

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“Vorspann”

Wagner im Wagner-Jahr – schon der Komponist, der sowohl höchst verehrt als auch extrem abgelehnt wird, sorgt ja für großen Wirbel. Dann noch als Regisseur Carlos Wagner und der aktuelle SPIEGEL mit der Titelstory: „200 Jahre Richard Wagner – Das wahnsinnige Genie“. Da könnte auch das Drama bereits außerhalb der Oper alle Konzentration kosten – doch wird hier die Oper selber genauer betrachtet, wobei der Wagner-Dirigent Christian Thielemann wichtige „Einsätze“ gibt. Und zu Carlos Wagner wird auch gleich im Programmheft über ein Interview aufgeklärt: er ist nicht mit dem 1813 geborenen Sachsen verwandt, und dies ist ihm “auch ganz recht so”!

Musikdrama durch und mit stürmischer Seefahrt

„Im «Holländer» löst Wagner sich ein gutes Stück weit von der Tradition und bricht zu neuen Ufern auf. So ganz genau weiß er noch nicht, wo diese liegen. Das ist die Komponierwerkstatt, und das macht die Begegnung mit dieser «romantischen Oper» – so nennt Wagner den «Holländer» trotz allem – so spannend.“ Thielemann betont den Experimentier-Charakter der Oper, in der Wagner seine tiefgehenden Eindrücke einer Sturmfahrt an Bord des Segelschiffes «Thetis» in die Musik umsetzte. Die Matrosen-Chöre beobachtete er sehr genau – ihr „Johohe! Jollohohoho! Heho! “ dröhnt immer wieder und mitreissend auf.

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Der holländische Kapitän vor dem Anker seines Geisterschiffes. Foto: Theater Kiel

So zeigen zu Beginn des dritten Aktes Opern- und Extrachor stimmgewaltig was sie feiern: “Da gibt’s die Fülle!” Der derbe Chor des norwegischen Schiffes steht gegen einen wesentlich differenzierteren Gesang aus dem Off, der vom holländischen Schiff kommt. Dies “Duellieren” verschiedener Prinzipien wird hier sehr gekonnt in Szene gesetzt und lässt vermutlich “Seefahrer” im Publikum darüber nachdenken, was und wie sie während der “Kieler Woche” singen…

Über 50 Musiker unter der sehr konzentrierten Leitung von Mariano Rivas feuern mit ihrer starken Leistung aus dem Orchestergraben noch weiter an und zeigt lautstark, was Thielemann so beschreibt: „Das unter den zehn gängigen Wagner-Opern das mit Abstand kleinste Orchester den mit Abstand größten Lärm verursacht, verblüfft mich immer wieder. Wagner hat dem Affen hier ordentlich Zucker gegeben, sicher noch ein Überbleibsel aus frühen Jahren.“

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Über Matthias Berg

"Startphase" mit Praktikum bei der taz und Studium in Hamburg & Bonn (Geographie & Journalistik). Arbeitet freiberuflich in Kiel und kreuzt dabei leidenschaftlich gerne mit Cello oder Segelschiff über Musik- & Meereswellen.

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