Kantine Köln - Archive live

Früher war mehr Lametta

Im März 2015 verwandelten Archive anlässlich eines Screening des bandeigenen Films Axiom sowie der Live-Präsentation des zu diesem Zeitpunkt aktuellen Albums Restrictions das Kölner E-Werk für rund drei Stunden in einen semi-sakralen Ort überlebensgroßer, ans Erhabene reichender Volumina. Anderthalb Jahre später und eine ausverkaufte Saalnummer kleiner, kämpfen die britischen Schubladenverweigerer mit der eigenmächtig heraufbeschworenen Fallhöhe zwischen Distanz und Emotion.

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Dave Pen, Archive, Kantine Köln (Stephan Wolf)

Dave Pen, Archive, Kantine Köln (Stephan Wolf)

Dieser Kampf setzt bereits zum Auftakt ein. Kaum ist das sich bedrohlich auftürmende Intro (Driving In Nails) verklungen, gebietet die Setlist mit dem anrührenden Sell Out eine erste Zäsur. Das Prinzip alternierender Stimmungen durchzieht fortan das gesamte, von einer attraktiven, aber überwiegend sinnfreien Mischung aus Licht und Projektion arrondierte Konzertereignis. Da fällt das Eingrooven schwer, zumal Archive der Versuchung, das dicht gedrängte Publikum offensiv-animativ zu stimulieren, über weite Strecken widerstehen.

Über diese Strecken hinaus, weist der Abend gar Längen auf. Der Grund hierfür ist ebenso schnell gefunden, wie verwunden: Da Archive zwischen Nähe und Distanz, Kühle und Wärme ständig pendeln anstatt zu vermitteln, verweigern sich die Tracks einem kontinuierlichen Flow – und werden so ihrer eigentümlichen Struktur überführt. Denn über Songs, die anhand von Melodien und Hooks umgarnen, verfügen Archive kaum. Vielmehr kreieren und postulieren ihre Kompositionen singuläre Atmosphären, die – ähnlich dem Krautrock – mittels Wiederholung und Steigerung ihr ergreifendes Potenzial entfalten.

Archive, Kantine Köln (Stephan Wolf)

Archive, Kantine Köln (Stephan Wolf)

Die Heterogenität, das Spiel vom singulären Reizen und ausbleibenden Klammern, macht das Konzert im Ganzen zu einem zweischneidigen Erlebnis. Was bei einer überhöhten Darreichungsform (wie auf der Restrictions-Tour) nicht weiter ins Gewicht fällt, wirkt in der abgespeckten Variante wie eine Aneinanderreihung vergeblicher Versuche, zur authentischen Emotionserzeugung vorzudringen. Sich diesem Manko möglicherweise bewusst, laden Archive mit Bright Lights und You Make Me Feel im Zugabenblock zur Versöhnung ein. Bevor sie mit dem ruppigen Feel It zum Abschluss einen weiteren Kontrapunkt setzen.

archiveofficial.uk
facebook.com/ArchiveOfficial

 

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