Kantine Köln - Killing Joke Live

Im Bann der Vollversammlung

Das drittletzte Konzert einer ausgedehnten, als „40th Anniversary“ vermarkteten, Tour also – in der rappelvollen Kantine (das Jubiläum mag vielleicht im Hinblick auf die Kopfgeburt von Sänger und Vordenker Jaz Coleman anzuerkennen sein, derweil die Bandgründung offiziell von 1979 datiert). Unter dem Motto The Great Gathering veranschlagt – und von einem sämtliche Verschwörungstheoretiker stimulierenden Key Visual begleitet – zeigt der Rundumschlag aus nahezu sämtlichen Schaffensperioden noch einmal die Stärken der Postpunk-Heroen auf. Doch bleiben dabei auch ihre Schwächen nicht ausgespart.

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Jaz Coleman, Killing Joke, Kantine Köln (Stephan Wolf)

Jaz Coleman, Killing Joke, Kantine Köln (Stephan Wolf)

Das Räucherwerk auf den Amps entzündet, erfüllt den Saal für Momente so etwas wie erwartungsvolle Anspannung. Geordie (Gitarre), Youth (Bass) und Paul Ferguson (Drums) sind bereit. Und endlich betritt Jaz Coleman die Szene, den finsteren Schamanen mit einem Altherrenlächeln der Rührung zunächst einmal entkräftend. Die Einpreisung der Meriten erfolgt sofort: Love Like Blood (wobei Colemans Versuche, die hohen Gesangslinien zu treffen, bemitleidenswert scheitern) und Eighties werden verballert, die Stimmung erreicht ihren ersten (und letzten) Höhepunkt.

Anschließend kämpfen sich die Recken durch ihr überwiegend sperriges (und nicht selten mit Abwechslung geizendes) Repertoire. Jaz Coleman ergeht sich in seine gleichermaßen limitierte Auswahl an diabolisch gemeinten Gesten, der blechern verwaschene Sound erledigt sein Übriges. Und dennoch stellt sich Rührung ein. So etwa wenn das Requiem in scheinbar auf ewig gültiger Diktion erklingt. Oder wenn Coleman seine verbalen Blasphemien gegen Freimaurerei oder Chemtrails mit tendenziell resignativer Note in Form von Zwischenrufen einbringt.

Vor allem aber erweist sich die Fanbase als intakter Haufen, der sich in seinen Erwartungen bestätigt sieht. So der interne Wettbewerb um das älteste Tour-Shirt am Leib abgeschlossen ist, lässt sich der kundige Alt-(Post)-Punk freimütig in Zeiten versetzen, die sich gegenüber dem Heute tatsächlich als die besseren erweisen. Während die jüngeren Studioalben, samt ausgefeilter Produktion (welche die kompositorische Mittelmäßigkeit kaschieren) quasi modern anmuten, wird an diesem Abend spürbar, wie sich ein Killing Joke Konzert – wenn schon nicht vor 40 – so doch vor circa 30 Jahren angefühlt haben muss. Und das ist dann, trotz aller Beanstandungen, schon ziemlich geil.

facebook.com/killingjokeofficial

 

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