Mit Schlagseite zu Santa Claus

Nikolaus-Variationen

Obwohl Verwechslungsgefahr zwischen dem Santa Claus als amerikanischer Weihnachtsmannfigur für den ganzen Dezemberzauber und dem heimischen Nikolaus besteht: Wir weisen hier noch einmal auf William Henry Frys kuriose symphonische Schöpfung zum Helden der Kinderzimmer und luftiger vorweihnachtlicher Imagination hin. Das 1853 erschienene Werk protzt einerseits mit volltönigem Orchester und verarbeitet alles, was textlich in ein solches Drama hineingehört, auf instrumentale Weise – inklusive romantischer Allusionen aller Art. Auch die Solisten dürfen sich hier überbieten, allen voran Trompete, Kontrabass und Saxophon und im Hinblick auf die Genrewahl ist alles vertreten, was dem Sujet entgegenkommt: breite winterlandschaftliche Pastellgemälde, launig präsentierte populäre Melodien, Wiener Walzer, ein Kinder-Lullaby und Adeste fideles als Zugabe.

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Im großen Saal des Kongresszentrums Rosengarten in Mannheim findet - anlässlich des heutigen Nikolaustages - am kommenden Sonntagnachmittag ein hörenswertes und in der Auswahl ausgeklügeltes Konzert der Bläserphilharmonie statt (Rudolf Stricker, 2010, p.d.).

Im großen Saal des Kongresszentrums Rosengarten in Mannheim findet – anlässlich des heutigen Nikolaustages – am kommenden Sonntagnachmittag ein hörenswertes und in der Auswahl ausgeklügeltes Konzert der Bläserphilharmonie statt (Rudolf Stricker, 27.6.2010, p.d.).

Im Hinblick auf eine short story von Ingo Schulze machte Stefan Matuschek auf den Namen Nico eines amerikanischen Soldaten in St. Petersburg als Anspielung auf den Nikolaus in märchenhaften Elementen aus Jacobus de Voragines 1264 datierter Sammlung Legenda aurea aufmerksam. Allerdings mutiert in der angeschrägten modernen Kurzgeschichte der hilfreiche Mann, der darum zum Heiligen ausgerufen wurde, nicht unbedingt zum Heilsbringer; man fragt sich nämlich, warum wenigstens zwei der drei Schwestern, die Nico hintereinander zum scheinbaren Glück ihrer Mutter ehelicht, so früh erbleichen … ein Anti-Märchen ganz in der Tradition von Georg Büchners Woyzeck.

Santa Claus tritt in Frys symphonischer Bilderfolge eher als Himmelsfahrer denn wie hier auf dem Kutschbock eines weihnachtlich geschmückten Zugs auf (25.11.2011, DR04 Wikipedia english, Douglas Rahden, p.d.).

Santa Claus tritt in Frys symphonischer Bilderfolge eher als Himmelsfahrer denn wie hier auf dem Kutschbock eines weihnachtlich geschmückten Zugs auf (25.11.2011, DR04 Wikipedia english, Douglas Rahden, p.d.).

Gelegentlich wird der Nikolaustag neben familiärem Singen und Musizieren im engsten oder kirchlichen Kreis bekannter Lieder zum Anlass klassischer Konzerte genutzt, wie es das Philharmonische Orchester Hagen 2012 tat. Demgegenüber wird zwar die aus Marketinggründen apostrophierte Beziehung zum Nikolaustag mit der Aufführung von Mozarts Entführung heute in der Deutschen Oper Berlin nicht ersichtlich, doch wollen wir hier auf eine noch nicht so alte Tradition der (kommerziellen) Vorweihnacht aufmerksam machen: die Mischung aus Pop(ulärem) und Klassik, vor allem ersteres im Gewand der letzteren: Das funktionierte etwa im Falle der Großveranstaltung in der Bremer ÖVB-Arena im letzten Jahr, nicht nur dank schon bekannter Gäste wie Andy McClusky, sondern auch mit Music von John Miles, der an Klavier und Gitarre zu erleben war. Highlights der klassischen Jahrhunderte fehlen hier nicht; für sie stand das Orchester Il Novecento zusammen mit dem belgischen Mädchenchor Scala & Kolacny Brothers ein.

Der Komponist von 'Lux Aurumque', Eric Whitacre (geb. 1970) am Pult (1.10.2010, www.soundunwound.com, GNU Free Doc. Lic.)

Der an der University of Nevada ausgebildete Komponist von ‘Lux Aurumque’, Eric Whitacre (geb. 1970) ist oft am Pult zu sehen (1.10.2010, www.soundunwound.com, GNU Free Doc. Lic.).

Aktuell von Interesse dürfte das Nikolaus-Konzert der Mannheimer Bläserphilharmonie am kommenden Sonntag, den 11. Dezember sein: Um 17 Uhr spielen die Virtuosen im Saal des Rosengartens der Stadt Eric Whitacres Lux Aurumque, das durch ein entrückend-berückendes Gedicht von Edward Esch, der wie der Komponist Jahrgang 1970 ist, inspiriert wurde. Die von Richard Franko Goldmann arrangierte Fantasia in G-Dur von J.S. Bach bildet in ihrer engen Haftung an der komplexen Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts einen imposanten Einstieg. Mit den festlichen Klängen von Howard Hansons Dies Natalis, beruhend auf einer allseits vertrauten lutheranischen Choralmelodie, werden die Zuhörer in die Winternacht entlassen.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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