Tegan & Sara „Heartthrob“ – Power-Pop macht ganz viel Spaß!

Wenn Sara sagt, niemand werde diese Aufnahmen mit anderen Alben von Tegan and Sara verwechseln, dann hat sie recht. Das neue Werk des kanadischen Zwillingspaares ist musikalisch deutlich praller als seine Vorgänger, die sich meist durch zurückhaltenden Sound auszeichneten. Ein wahres Power-Pop-Album präsentieren Tegan and Sara mit „Heartthrob“.

Seit die Schwestern 1999 ihr Debütalbum „Under Feet Like Ours“ in Eigenregie herausbrachten, haben sie sich zu Indie-Pop-Königinnen gemausert.

Administriere bereits ab €0,- Deine Musikschule!
Dabei ist ihr Sound mit jedem Album gereift, hat sich aber auch vom Indie-Sound mehr und mehr dem Pop-Bereich angenähert. „Heartthrob“ ist die logische Konsequenz dieses Weges: einerseits nah am Mainstream, andererseits musikalisch auf hohem Niveau mit einem fröhlicheren und schwungvolleren Sound – ganz so, als würde jeder Song den Heartthrob, den Herzschlag, Verliebter wiedergeben.

Tegan & Saras bis dato poppigstes Album "Heartthrob" / Foto: WMG

Tegan & Saras bis dato poppigstes Album “Heartthrob” / Foto: WMG

Für den einen oder anderen T&S-Fan dürfte das Album beim ersten Hören gewöhnungsbedürftig sein. Schon die erste Singleauskopplung „Closer“ hatte einen Hinweis auf den veränderten Klang der Musik der Kanadierinnen gegeben. Für Tegan bestand ein Ziel des Albums darin, dass sie sich vorstellen können musste, wie Teenager die Songs auf ihrem iPod auf dem Weg zur Schule hören. Diesen teenietauglichen Sound hat das Duo auf eine erwachsene Weise kreieren können. Fast wirkt es so, als hätten Tegan and Sara vor über einer Dekade mit Thirty-Something-Indie-Songs begonnen und sich à la Benjamin Button musikalisch rückwärts zum Teenie-Pop bewegt.

Wie der Titel des Albums vermuten lässt, spielen die Songs auf „Heartthrob“ auf dem Feld der Liebe, was, wie wir wissen, im Teenageralter besonders weit ist, strenggenommen im Laufe des Lebens aber nichts von seiner Relevanz für den Einzelnen verliert. Dabei decken Tegan and Sara so ziemlich jedes Gefühl ab, was einem begegnen kann: von der ersten körperlichen Anziehung („Closer“) über die Wunder der Liebe („Love They Say“) und die Selbsterkenntnis („I Was A Fool“) bis zum Schlussmachen („Goodbye, Goodbye“) und Körbekriegen („How Come You Don’t Want Me“) sowie der Zeit danach („Now I’m All Messed Up“). Was das angeht, findet auf jeden Fall jeder Hörer einen Song, mit dem er sich identifizieren kann.

Egal, was eingefleischte Fans vom neuen Album halten mögen und egal ob fröhliche oder traurige Lyrics, die zehn neuen Songs von Tegan and Sara machen einfach Spaß. Sie laden dazu ein, beim Putzen wild durch die Wohnung zu tanzen, unter der Dusche zu singen oder einfach Liebesfrust hüpfend abzuschütteln. Tegan and Sara zeigen, dass auch Pop eine ernstzunehmende Musikrichtung ist, die man mit Leben füllen kann weit abseits des eintönigen Radio-Gedudels. Wer Freude an kraftvollem und tanzbarem Pop erster Güteklasse hat, wird in „Heartthrob“ ein durchhörfähiges Album finden!

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>