Imagination antiker Theatermusik

Jung-Menanders Komödie diskret vertont

Sicher gleichermaßen als Rarität kann nach der eher spektakulären Adaption der Aristophanes-Komödie Die Vögel durch Walter von Braunfels Karl Michael Kommas deutlich behutsamere Annäherung an das antike Theater gesehen werden. Er versah lediglich den 1959 durch Hildebrecht Hommel ins Deutsche übersetzten Text der Komödie Dyskolos dort mit Musik, wo sie im 3. vorchristlichen Jahrhundert mit ziemlicher Sicherheit erklang.

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Menander-Statue im Dionysos-Theater von Athen (Jebulon, 17.5.2015, Creative Commons CC0 Lic.)

Menander-Statue im Dionysos-Theater von Athen (Jebulon, 17.5.2015, Creative Commons CC0 Lic.)

Die Darstellung des mürrischen alten Griesgrams Knemon, aus dessen Händen seine arme,  namenlos bleibende, da inventarisierte Tochter befreit werden soll, in der so genannten Neueren Attischen Komödie zählte zu den papyrologischen Sensationsfunden des 20. Jahrhunderts. Das 969 Verse umfassende fünfaktige Bühnenstück des erst 25jährigen Menander wurde 1952 fast vollständig erhalten in Ägypten entdeckt, fünf Jahre später konnte der Genfer Martin Bodmer die Abschrift auf antikem Papyrus erwerben.

Der Altertumswissenschaftler Hommel machte den Dyskolos in den deutschsprachigen Ländern mit seiner Ausgabe aber erst wirklich bekannt. Und schon 1960 gelang es Walter Jens, das hiermit zugänglich gemachte Stück mit Tübinger Studentinnen und Studenten zu inszenieren.

Die Figur von ca. 330 v. Chr. basiert möglicherweise auf einer Aufführung von Menanders Komödie 'Dyskolos'; der Charakter des Knemon im Stück wird hier idealtypisch eingefangen (rennett Stowe, 26.6.2014, Louvre, Paris).

Die Figur von ca. 330 v. Chr. basiert möglicherweise auf einer Aufführung von Menanders Komödie ‘Dyskolos’; der Charakter des Knemon im Stück wird hier idealtypisch eingefangen (rennett Stowe, 26.6.2014, Louvre, Paris).

Der versierte Musiker und Komponist Karl Michael Komma (1913 – 2012), sonst mehr für seine ausladenden liturgischen Werke, darunter im übrigen auch Weihnachtliches, bekannt, steuerte die Musik zu den im antiken Drama gesungenen Chorliedern bei. In gewisser Weise schloss er damit an Carl Orffs Behandlung antiker Chorpartien an, im Unterschied zu dessen Antigone allerdings kaum mit einem (notwendigerweise) tragisch umflorten Klangbild, sondern in – wie DIE ZEIT am 4. März 1960 attestierte – “augenzwinkernder” Heiterkeit, wie es einer regelrechten Komödie aus dem griechischen “bürgerlichen” Zeitalter angemessen schien.

Hier war darauf Rücksicht zu nehmen, dass keineswegs die tatsächlich wenig verzwickte Handlung im Vordergrund stand, sondern die polarisierende Zeichnung origineller Charakterrollen. Da uns fast keine konkrete Musiknotation aus dem Altertum überliefert ist, musste die Vertonung notwendigerweise die akustische Imagination der beginnenden 1960er Jahre, immerhin einer Zeit der Aufbruchsstimmung in Westdeutschland, projizieren. Erst vor zwei Jahren edierte der Desch-Theaterverlag, der vom Haus Felix Bloch & Erben übernommen wurde, die Übersetzung in regiegerechter Form zusammen mit Kommas Musik.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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