(E-)Motiv:

Skifahren

Angesichts des Klimawandels könnte der Skisport bald zur exklusiven Nebenbeschäftigung marginalisiert werden, die Zahl der InDoor-Pisten ansteigen. Hinzu kommt der ökologische Rechtfertigungszwang angesichts eines umgreifenden, nicht nur pflanzlichen Artensterbens infolge extensiver Befahrung der Gebiete und der damit verbundenen Erosion. Auf den Wintersportklassiker können und wollen aber viele nicht verzichten, die Umstellung auf Alternativen ist für manche(n) kaum vorstellbar, virtuelle Talfahrten am Trainingsgerät nur zum Zweck der Vorbereitung akzeptiert.

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Skifahren auf echtem Schnee im Freien - heute schon ein Sondervergnügen? Beim Commander's Cup in ;Keystone / Colorado traten Skifahrer und Snowboarder zum Slalom an (US Air Force, p.d.).

Skifahren auf echtem Schnee im Freien – heute schon ein Sondervergnügen? Beim Commander’s Cup in ;Keystone / Colorado traten Skifahrer und Snowboarder zum Slalom an (US Air Force, p.d.).

Um aber bei der Realität zu bleiben: Die Bilanz schwerer Unfälle beim Skifahren in Hochgebirgslagen ist auch nicht eben gering zu veranschlagen. Ein prominenter und äußerst vielversprechender polnischer Komponist wie Mieczysław Karłowicz kam zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts durch eine abgehende Lawine bei einer Tour ums Leben, sonst hätte er uns mit symphonischen Werken ebenso exuberant beschenkt wie sein nahezu gleichaltriger Freund und Kollege Karol Szymanowski.

Doch lässt sich vermuten, dass manche kontemplativen Passagen in Karłowiczs (verdeckt?) programmhaltigen Instrumentalkompositionen, vielleicht das Violinkonzert A-Dur oder die Symphonie Wiedergeburt ohne die grandiosen Aussichten beim Skifahren nicht möglich gewesen wären. Die Faszination des Skifahrens ließ sich durch beschworene Gefahren aber nicht einbremsen. Davon legt bekanntlich auch Carter Panns Orchesterscherzo SLALOM, Anno Domini 1998 inspiriert durch ein atemberaubendes Abfahrtserlebnis oberhalb Steamboat Springs im US-Bundesstaat Colorado, ein beredtes Zeugnis ab.

Dank sportlicher Fortbewegung per Fahrrad und insbesondere Ski erfuhr Mieczyslaw Karlowicz um 1900 mehr Naturinspirationen als mancher andere zeitgenössische Komponist (http://pda.sb.by /post/81344US p.d.).

Dank sportlicher Fortbewegung per Fahrrad und insbesondere Ski erfuhr Mieczysław Karłowicz um 1900 mehr Naturinspirationen als mancher andere zeitgenössische Komponist (http://pda.sb.by/post/81344, US p.d.).

Mit Berufung auf den ursprünglichen Schöpfer der Filmmusik zu dem Streifen Der große Sprung, Werner Richard Heymann, schrieb übrigens der israelische Komponist Tal Balshai 2013 einen der Gangart der Filmkomödie von Arnold Fanck von 1927 entsprechenden lebensfrohen und spaßigen Soundtrack. Selbstverständlich war dies nicht, denn es gibt im Grunde keine Überschneidung mit der Lebenswelt des Films, er selbst kenne nämlich nur den Berg Sinai … Allerdings beruht die Neuvertonung doch auf Informiertheit, denn zu deren Zweck studierte Balshai, an der Partitur bastelnd, die nicht immer bierernst gemeinten Abfahrtsläufe in seinem Arbeitszimmer in Berlin-Charlottenburg. Der Regisseur des komischen Films war seinerzeit ein Kenner der Berge: Von ihm stammen unter anderem SOS Eisberg und Die weiße Hölle von Piz Palü, wenn diese einstigen Kinoereignisse auch in ihrer martialischen Dramatik heute weniger schmeichelhaft als “protofaschistisch” etikettiert werden (müssen).

Vanessa Mae hielt als professionelle Sportlerin nicht nur 2008 in London die olympische Fackel hoch, sondern bereitete sich in Sotschi 2014 höchstpersönlich auf den Slalom vor (Southbank Centre, 6.4.2008, CC-Liz.).

Geigerin Vanessa Mae hielt als professionelle Sportlerin nicht nur 2008 in London die olympische Fackel hoch, sondern bereitete sich in Sotschi 2014 höchstpersönlich auf den Slalom vor (Southbank Centre, 6.4.2008, CC-Liz.).

Was Tonsetzer auf Ideen bringt, kann für Musiker essentiell sein: Im Leben der Starviolinistin Vanessa Mae spielt das Skifahren die exponierte Rolle. Deutlich wurde dies, als sie zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 zum Slalom und Riesenslalom antrat. Der Einstieg der damals 35jährigen thailändischen Musikerin wurden dokumentiert, Lukas Rilke fasste beide Professionen, Musik und Skifahren, mit der witzigen umgangssprachlichen Wendung im SPIEGEL zusammen, sie hätte “den Bogen raus”.

Im weiteren (Um-)Feld klassischer Musikszenen ist das Skifahren jedenfalls bislang eindeutig positiv konnotiert und wird mit Lebensfreude, Spaß und auch Komik in Verbindung gebracht, kritische zukünftige Anklänge angesichts eines (zwangsläufig) gewachsenen ökologischen Bewusstseins vorbehalten …

 

 

 

 

 

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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