Aurresku - Traquenard - Zoppa

Seltene Exemplare der Tanzhistorie

Ebenso exotisch wie die komplexe Abfolge des althergebrachten baskischen Aurresku mutet das Instrumentarium an, das zu diesem Tanz verwendet wurde und wird: Dazu gehören die Einhandflöte Txistu, das Flabiol, eine katalanische Längsflöte, die wahrscheinlich vom französischen Flageolett herrührt und die kleine Trommel unter der Bezeichnung Tamboril. Die gravitätische Gangart des Tanzes weist auf seinen höfischen Ursprung hin, weshalb er gelegentlich unter dem Namen “Baile real” anzutreffen ist.

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Germán Rodríguez zelebriert den baskischen Aurresku in Pamplona / Navarra (Jorab, 14.12.2007, GNU Free Doc. Lic.).

Germán Rodríguez zelebriert den baskischen Aurresku in Pamplona / Navarra (Jorab, 14.12.2007, GNU Free Doc. Lic.).

Entsprechend seiner mutmaßlichen höfischen Herkunft besteht die Einleitung des Aurresku aus Höflichkeitsfloskeln in Bewegung, der ein Paartanz zu Melodien des Contrapàs aus Katalonien folgt. Im Anschluss kommt sowohl der Zortziko vor als auch der von Durchschreiten und Bogenbildung geprägte Pasamano. Den Abschluss stellt die “Herausforderung” oder der “Hahnenkampf”, zu baskisch Oilarrauzka dar. Noch nicht lange ist es her, dass der neuere Fandango und der schnelle Arin hinzugenommen wurden. Die Zahl der Einspielungen von Aurresku-Exempla, meist Einzelstücke auf Gesamtpräsentationen folkloristischer Musik, ist mittlerweile unüberschaubar; als Beispiel sei nur der Auftritt des baskischen Pianisten Josu Gallastegui genannt.

Etymologisch hängt der französische alte Tanz Traquenard aus der frühen und mittleren Barockzeit mit dem deutschen Trakehner zusammen. Das Bild zeigt Edward Gal mit dem Hengst Garibaldi beim Weltcupfinale im Dressurreiten 2007 (Fotoimage, p.d.).

Etymologisch hängt der französische alte Tanz Traquenard aus der frühen und mittleren Barockzeit mit dem deutschen Trakehner zusammen. Das Bild zeigt Edward Gal mit dem Hengst Garibaldi beim Weltcupfinale im Dressurreiten 2007 (Fotoimage, p.d.).

Um eine Kuriosität handelt es sich, um bei den selten oder nur im regionalen Bereich gehörten und gesehenen Tänzen zu bleiben, beim französischen Traquenard, in dem das deutsche Wort Trakehner(hengst) wiederzuerkennen ist: Im schnellen 4/4-Takt mit Synkope auf dem ersten, dritten, fünften und den weiteren Tönen wird so der Rhythmus eines Pferdes im Trab nachgeahmt; er ist in den französischen instrumentalen Suiten des 17. Jahrhunderts anzutreffen und war damit (prioritär) eine Angelegenheit des Adels.

Nere Herriko Doinuak:

Nere Herriko Doinuak: Der baskische Pianist Josu Gallastegui bietet hier ein Beispiel für Aurresku-Tänze (B00YFS3W6W, Sugal Records 2014).

Ebenfalls kaum bekannt ist ein metrisch markanter italienischer Volkstanz aus derselben Zeit, dem 17. Jahrhundert, im lebhaften 6/8-Takt und jambischem Rhythmus, der überdeutlich synkopiert ist: Der Zoppa weist im Namen auf seine “hinkende” und schleppende Fortbewegung hin. Auf eine kurze Zählzeit folgt hier eine doppelte und diese danach mit Synkope.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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