Interview mit Angelina Yershova

„Es ist mir wichtig, die Essenz des Moments so weit wie möglich zu personalisieren“

Die aus Kasachstan stammende Pianistin, Komponistin, Dirigentin und – auch – elektronische Musikerin Angelina Yershova veröffentlicht im Februar mit Resonance Night (Twin Paradox) ein Album, auf dem sie erneut eigentümliche Wege beschreitet, um dem Klavier ungeahnte Klänge abzuringen. Und um dabei akustische Atmosphären zu erschaffen, die sich der Koinzidenz von technischer Emphase, bildhafter Assoziation und gewagten Timbre verdanken. Im Gespräch erläutert die Wahlrömerin nicht zuletzt, wie es ihr gelingt, ihre immens neugierige Veranlagung auf finite Zielsetzungen zu kaprizieren.

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Angelina Yershova (Ilya Shamuratov)

Angelina Yershova (Ilya Shamuratov)

amusio: „Hi Angelina, wenn deine vielfältige Ausbildung in Betracht zieht – Komposition, Taktstockschwingen sowie einen Abschluss in elektronischer Musik – müsste dein Hauptfokus nicht unbedingt auf dem Klavier liegen. Kannst du dir vorstellen, dass du dich irgendwann einmal von deinem Lieblingsinstrument entfernst?“

Angelina Yershova: Das Klavier war Liebe auf den ersten Blick. Und ist seitdem die Liebe meines Lebens geblieben. Ich spiele seit meinem vierten Lebensjahr und bis heute bezaubert und quält mich dieses Instrument gleichermaßen. Und ich spüre in mir die Notwendigkeit, diese Vollzugsweisen dieser extremen Beziehung sowie die damit verbundene innere Klangwelt zu teilen. Ich schreibe aber auch für andere Instrumente, für Ensembles und Orchester. Und ich liebe es auch, nur mit Electronica zu arbeiten und Sounds zu programmieren. Mein Interesse gilt dabei einer ganzen Reihe elektronisch fundierter Spielarten, so zum Beispiel Techno, Glitch, Dubstep oder Industrial. Vielleicht reagiert mein Piano deswegen ab und an ein wenig eifersüchtig. Ich bin ein spontanes Wesen, und ich neige dazu, etwas für mich Neues zunächst zu ergründen, bevor ich anschließend eventuell selbst Hand anlege. Letztlich schließe ich musikalisch kaum eine Option aus. Denn ich weiß, dass sich im Leben jederzeit alles ändern kann.“

amusio: „Deine beiden letzten Veröffentlichungen hast du auf die Erzeugung von Atmosphären ausgerichtet. Verfolgst du parallel auch die technischen Aspekte der Klangforschung? Oder handelt es sich um strikt voneinander getrennte Interessensgebiete?“

Angelina Yershova: „Zurzeit interessiere ich mich sicherlich in erster Linie für den atmosphärischen Aspekt des Pianos. Dabei geht es mir insbesondere darum, die Wahrnehmung von Details betonen, die üblicherweise überhört oder ignoriert werden. Ich setze also eine Tradition fort, die ihren Ausgang bei John Cage und der Vorstellung des präparierten Pianos nahm. Eine großartige Tradition der Erforschung von Spieltechniken, der Ausdehnung von Ton und Timbre sowie der Elaboration eines Instruments und den offenbar niemals versiegenden Entdeckungen, die es ermöglicht.“

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