Ssählawieh – Tucholsky-Revue im Hamburger Theaterschiff

Spätestens wenn Frank Roder vom deutschen Kapitalisten singt, dessen Ziel und Wollen einzig im Export liegt, wird den Zuschauern im Hamburger Theaterschiff schlagartig bewusst, wie aktuell Tucholsky doch ist. Und dass die Revue mit dem harmlosen Titel „Ssälawie“ doch ihre politische Dimension hat. Abzüglich einer etwa zwanzigminütigen Pause singen und rezitieren Frank Roder, Johannes Kirchberg und Nadja Eustermann fast zwei Stunden lang Gedichte, Texte und Lieder von Kurt Tucholsky. Die Musik stammt von Hanns Eisler, Friedrich Hollaender, Rudolf Nelson und Olaf Bienert. Kirchberg, der selbst einige Vertonungen zum Programm beigesteuert hat, wechselt sich mit Eustermann am Klavier ab.

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Theaterschiff “DAS SCHIFF”. Quelle: www.hamburg-buehnen.de

Der Abend beginnt mit Medienkritik. Roder berichtet von seiner Hassliebe zur Zeitung. Er klagt über die Papierberge und die Schneisen in den Wäldern, die sie hinterlässt, dass er beim Frühstück doch nicht von ihr lassen kann, aber sie doch so wenig Erkenntnis bringt am Ende – bestenfalls. Und da ist wieder klar, dass sich mit Radio, Fernsehen und Internet so viel nicht geändert hat. Bestenfalls.

Stimmlich gegen ihre männlichen Kollegen behaupten muss sich die Sopranistin Nadja Eustermann. Anfangs scheint sie fast ein wenig unterzugehen. Wenn sie aber „Ick bin eene Berliner Beere“ oder „Petronella, zieh dich aus!“ schmettert und dabei das vermeintlich goldene Zeitalter der deutschen Hauptstadt, die zwanziger Jahre, wiederaufleben lässt, ist sie ganz im Hier und Jetzt angekommen.

Wenn es nicht gerade auf Tour ist, liegt das Theaterschiff „DAS SCHIFF“ seit Oktober 1975 im Hamburger Nikolaifleet (U-Bahnhof Rödingsmarkt). Die nächsten Termine für „Ssälawieh – Die Kurt Tucholsky Revue“: Donnerstag, 25. April und Freitag 26. April, jeweils 19:30 Uhr sowie 19. und 20. Mai, 19:30 Uhr und 18 Uhr. Weitere Informationen unter http://www.theaterschiff.de/programm/ensemble/390-tucholsky

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Über Frank Behrens

Frank Behrens arbeitet als freier Journalist in der Nähe von Hamburg. Noten kann er keine lesen, aber Musik hören. Am liebsten Rock und Blues.

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