Zwei Komponistengenerationen im europäischen Maßstab

Kopenhagen: Frühes Zentrum musikalischer Professionalität

Zur Hochzeit des Kronprinzen Christian II. wurde aufgefahren, was nur irgend möglich war, für die angemessene musikalische Repräsentation sorgte Heinrich Schütz (Memoirer og breve. Udgive af Julius Clausen. Kopenhagen 1914, p.d.).

Zur Hochzeit des Kronprinzen Christian II. wurde aufgefahren, was nur irgend möglich war, für die angemessene musikalische Repräsentation sorgte Heinrich Schütz (Memoirer og breve. Udgive af Julius Clausen. Kopenhagen 1914, p.d.).

Heinrich Schütz reiste zweimal für eine Aufenthaltsdauer von je etwa zwei Jahren aus Dresden zur Unterstützung der Hofkapelle an, zu einem längeren Aufenthalt zunächst von 1633 bis 1635, dann nochmals neun Jahre später, von 1642 bis 1644. Leider sind seine Kopenhagener Kompositionen fast gänzlich verloren, dies gilt auch für das allegorische Opernballett anlässlich des Store Bilager, der pompös in Szene gesetzten Vermählung des Erbprinzen mit Prinzessin Magdalena Sybilla im Oktober 1634. Die erste eigentliche dänische Oper, Der vereinigte Götterstreit, stammt aus der Feder des Hofviolinisten Poul Christian Schindler zu einem deutschen Textbuch des Schleswiger Studenten Peter Anton Burchardt. Das Werk zeigt den großen Einfluss der Hamburgischen Oper.

Gabriel Voigtländer, der mit Sicherheit von 1639 bis 1642 am Hof des Kronprinzenpaares weilte, übte ebenso wie Johann Schop und Heinrich Pape, die zu den weltlichen Liedersammlungen Galathee und Floribella des deutschen Pfarrers Johann Rist beitrugen, nachhaltigen Einfluss auf das dänische Liedschaffen aus: Hier sind u.a. Søren Terkelsens Astree Siunge Choer und Thomas Kingos geistliche Liedersammlung Aandeligt Siunge-Koor zu nennen, die seine Melodien für Lieder mit dänischen Texten nutzten. Trotz der geschwächten Stellung Dänemarks in Folge des Dreißigjährigen Krieges büßte die Musik ihre Rolle, die sie am Hof spielte, nicht ein: So erhielt er von seiner Schwester Elisabeth eine prachtvolle Orgel für Schloss Frederiksborg, die Esaias Compenius dort 1617 aufbaute.

Die Praxis der geistlichen Musik im 17. Jahrhundert fußt in ihrem Selbstverständnis auf der Vermittlung von Luthers Reformation durch dessen Mitstreiter Johann Bugenhagen, der vom König nach Dänemark eingeladen worden war. Doch scheint dessen Anliegen weniger in der Förderung der Musik im kirchlichen Raum gelegen zu haben; vielmehr wurde sie von etlichen von Luthers Anhängern nicht beachtet bzw. gemieden, da sie der Betonung der Wortverkündung im Wege stehen konnte. Im 16. Jahrhundert spielten die Gesangsbücher von Hans Thomissøn (1569) und Niels Jesperssøn (1573) die tragende Rolle in der Kirchenmusik. Einige der Nummern aus Thomissøns Buch stammen aus dem Graduale Romanum, so das Kyrie eleison für Ostern und Pfingsten sowie die Litanei, eine Weihnachtshymne und die sowohl in lateinischer als auch dänischer Sprache vertonten Lieder Resurrexit Christus und Laudate Dominum omnes gentes.

Die gottesdienstliche Praxis lässt sich am Gebrauch der Gesangbücher nachweisen: Nach den jeweiligen Voraussetzungen vor Ort war es so möglich, entweder auf die gregorianischen Gesänge zurückzugreifen oder dänische Kirchenmusik auszuwählen. Pedersøns wichtige Sammlung Pratum spirituale enthält in fünfstimmiger Anlage 31 Kirchenlieder und liturgische Teile, sowie eine Abteilung mit chorischen Antworten, den Responsoria Danica, sowie eine Messe, drei Motetten und die Kollektion abschließende Responsoria Latina. Die Kirchenlieder stammen aus dem Gradual, Hans Thomissøns Gesangbuch von 1573. Während Gabriel Voigtländers Aufenthalt in Dänemark waren dort die neuen deutschen, Lieder mit Generalbassbegleitung beliebt, was sich zum Teil an der Popularität von Johann Hermann Scheins Werken und der Vermittlung neuer Musik durch Schütz‘ Vetter Heinrich Albert nachweisen lässt.

Heinrich Schütz arbeitete etliche Jahre am Hof in Kopenhagen (Christoph Spätner, Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Inventar-Nr. 0023 90, p.d.).

Heinrich Schütz arbeitete zweimal für jeweils zwei Jahre Jahre am Hof zu Kopenhagen; zu seinen Aufgaben zählte auch die Komposition repräsentativer weltlicher Werke (Christoph Spätner, Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Inventar-Nr. 0023 90, p.d.).

An dieser Stelle soll der Bogen zurück zur Instrumentalmusik geschlagen werden, hier aber die der kirchlichen Praxis angesprochen werden. Die Instrumentalmusik in den dänischen Kirchen wurde um 1600 ganz der Tradition gemäß vorwiegend von Orgelwerken getragen, solange sich die Separation von weltlicher und geistlicher Musik noch nicht vollzogen hatte. Bekannt ist, dass der dänische Hof selbst zum Bau neuer Orgeln zu Beginn des 17. Jahrhunderts erhebliche Mittel investierte. Nicht sicher ist hingegen, ob das Instrument an Festtagen in den großen Kirchen durch Bläser verstärkt wurde. Doch treten die bekannten Organistennamen erst nach 1650 in Erscheinung: Johann Lorentz wirkte an der Vor-Frue-Kirke und Nikolaikirche in Kopenhagen, der Mecklenburger Christian Geist an der Kopenhagener Heiliggeistkirche und Holmens Kirke, vor Allem aber ist Dietrich Buxtehude zu nennen, der das Amt von seinem Vater an der Marienkirche in Helsingør übernommen hatte.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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