Michael Vallera - Vivid Flu

Hypnotische Kurzweil, Gerundivum

Neuzugang bei Denovali: Nachdem sich Michael Vallera aus Chicago bereits mit seinem Debütalbum Distance (auf Opal Tapes) sowie seinem kontinuierlichen Schaffen als Duo-Partner bei den Projekten Cleared (mit dem Perkussionisten Steven Hess) und Maar (mit Joseph Clayton Mills) einen guten und international abstrahlenden Namen verschaffen konnte, hat er für sein Solo-Zweitwerk Vivid Flu (Denovali/Cargo, ab Freitag) eine überaus stimmige Label-Heimat gefunden.

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Michael Vallera: "Vivid Flu" (Denovali/Cargo)

Michael Vallera: “Vivid Flu” (Denovali/Cargo)

Basierend auf einem Treatment der Sechssaitigen, das V-Effekte behelligt, die sich rasch als charakteristisch erweisen, asphaltiert Micheal Vallera seine latent elegischen, impressionistisch argumentierenden Beschreibungen akuter Daseinsempfindungen, deren Essenz selbst in vereinzelten Momenten klarer Ausarbeitung nur zögerlich von eingestandenen Verlustängsten zu künden vermag. Anders gesagt: Michael Vallera bewahrt sich jene Aura aus Geheimnis und Verlaufsform, ohne die jede Anrufung von Innerlichkeit prätentiös bleibt.

Um der drohenden Stagnation des Sentiments zu entgehen, leitet Michael Vallera seine Vergewisserungen behutsam in die Kreuzgänge der Mehrdimensionalität. Erweckt der Opener Vivid Flu – allein schon aufgrund seiner Positionierung – noch den Anschein, als Fingerübung eine sich anschließende Stabilität zu präludieren, bewerkstelligt das weitere Geschehen den Bruch mit dieser linkisch heraufbeschworenen Erwartungshaltung. Late, Pollen Blot und Still Live diagnostizieren sich selbst, entfalten ihre Breviers anhand eines Strukturwillens, der nicht zuletzt die Zeitempfindung irritiert. Was als gedehnte Entwicklung erscheint, erweist sich als Raffung, als Kurzweil von schier hypnotischer Qualität.

Erst die schwer am eigenen Gewicht tragende Bassdrum vom Abschluss-Track (Drug) kündigt an der Seite einer folgsamen Melodielinie etwas Greifbares an. Doch bleiben stichhaltige Auflösungen – trotz dieser veräußerten Kontur – bis auf weiteres vertagt. Schon White Stains (Why Not Forever) sind mit dieser Taktik gut gefahren.

denovali.com/michaelvallera
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