Meisterwerke der polnischen Musik XXIX

Eine ungewöhnliche Konzertpremiere

Zum vierzigsten Mal jährt sich 2017 die Uraufführung von Jerzy Gablenz’ 1926 beendetem Klavierkonzert, das in seiner Heimat Polen erst mit großer Verspätung, nämlich zur Feier seines 100. Geburtstags am 23. Januar 1988, und danach wiederholte Male aufgeführt wurde. Ungewöhnlich daran ist der Umstand, dass die Premiere erst 1977 unter Palmen, nämlich in der Dominikanischen Republik stattfand. Hier erblickte auch seine zunächst wegen ihrer technischen Komplexität für unspielbar gehaltene 1. Symphonie das karibisch-helle Licht der Konzertwelt.

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Jerzy Gablenz, dessen Geburtstag heute zu feiern ist (23.1.1888 - 11.11.1937), bewohnte in Krakau lange Zeit das Haus in der Ulica Krolówej Jadwigi Hausnummer 35 (Miezian, 14.10.2009, p.d.)..

Jerzy Gablenz, dessen Geburtstag heute zu feiern ist (23.1.1888 – 11.11.1937), bewohnte in Krakau lange Zeit das Haus in der Ulica Krolówej Jadwigi Hausnummer 35 nahe der namhaften Salvatorstraße (Miezian, 14.10.2009, p.d.)..

Da Gablenz aus einer hochmusikalischen Krakauer Familie stammte, konnte er sich den Umweg über ein regelrechtes Musikstudium sparen und widmete sich an der Jagiellonen-Universität der Juristerei. Zu Hause war er sowohl im Klavier- und Orgelspiel als auch an Cello und Flöte unterrichtet worden und verfügte so über eine breite Instrumentalpraxis, als er ernsthaft zu komponieren anfing. Noch nicht einmal zwanzig Jahre alt verliebte er sich in eine Klavierlehrerin, mit der er sich bald verehelichte. Es ist so auch verständlich, dass er in dieser Zeit bevorzugt Klavierstücke (für seine Freundin) und Lieder schrieb, was allerdings ins Hintertreffen geriet, als er sich zunehmend im Betrieb seines Vaters zu engagieren begann. In jenen jungen Jahren entstanden gleich zwei symphonische Werke, von denen das erste allerdings uninstrumentiert bleiben sollte.

Einige Jahre später wurde die Bitte an ihn herangetragen, Stanisław Moniuszkos verschollene Oper Straszny dwór - “Das Gespensterschloss” – zu rekonstruieren, was kein leichtes, aber ein sehr dankbares Unterfangen darstellte, wenn man die begeisterte Resonanz von Publikum und Kritik in der Folge bedenkt. Diese Arbeit hat ihn womöglich dazu beflügelt, eine eigene Oper in vier Akten zu komponieren: So kam es zum Musikdrama Der Hexenkreis, auf das die Orchestersuite Sonnige Felder und die symphonische Dichtung Der Pilger folgten.

1977 und 1987 erklangen einige von Jerzy Gablenz' Orchesterwerken, auch solche, die im Mutterland Polen für kaum spielbar gehalten wurden, darunter die offizielle 1. Symphonie (Palme bei Santo Domingo, Eugen Lehle, GNU Free Doc. Lic.).

1977 und 1987 erklangen einige von Jerzy Gablenz’ Orchesterwerken, auch solche, die im Mutterland Polen für kaum spielbar gehalten wurden, darunter die offizielle 1. Symphonie (Palme bei Santo Domingo, Eugen Lehle, GNU Free Doc. Lic.).

Eine weitere Orchestersuite In den Bergen (1924), erfuhr denn ihre Erstaufführung wie die erste vollgültige Symphonie und das Klavierkonzert, 1977 in der Dominikanischen Republik. Leider wurde das in der hochproduktiven Phase seines Schaffens 1927 geschriebene Orchesterpräludium Der Rosenkranz der heiligen Salome (von dem es 1991 immerhin eine Aufnahme des Polnischen Rundfunks gab) ebenso wie Der Pilger – nicht aufgeführt. Nach 1928 vergingen acht Jahre, bis Jerzy Gablenz sich wieder in größerem Umfang der Komposition widmete, dieses Mal Sinfonischen Variationen. Sein Faible für instrumental groß besetzte Programm-Musik blieb beinahe bis zu seinem unerwarteten Tod 1937 durch einen Unfall nahe Warschau erhalten: Das in dieser Zeit entstandene symphonische Präludium Der verzauberte See wurde erst 1991 vom Rundfunk aufgenommen.

Zur Mitte der 1930er Jahre komponierte Jerzy Gablenz neben anderem um die einhundert Klavierlieder und drei Terzette für Frauenstimmen mit Klavier. Es ist jedenfalls an der Zeit, sich des Werks dieses bemerkenswerten, in Westeuropa noch relativ unbekannten “Klassikers” des 20. Jahrhunderts auch im Konzertsaal, auf Tonträgern und mittels des Mediums Internet anzunehmen.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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