Töne aus den Staaten: Massachusetts, Kalifornien

Unterschied – Innovation – Wiedererfindung

Dass sich John Harris Harbison aus einer Historiker- und Musikerfamilie in New Jersey abstammend vor allem zum Komponieren großer komplexer Formen wie der Symphonie, der Oper und ausladender Chorwerke hingezogen fühlt, hindert ihn nicht daran, hin und wieder dem Kunstlied zuzusprechen – wie sein Variationenzyklus Mirabai Songs nach Texten von Robert Bly belegt. Die kammermusikalische Besetzung der 10 Stücke ist dabei mit Mezzosopran, Violine, Klarinette und Klavier nicht ganz gewöhnlich, wobei freilich zur gleichen Zeit weltweit zahlreiche Komponisten mit jeglichen Instrumentenkombinationen experimentierten.

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Das Ballett "Ulysses' Bow" wird auf dieser CD mit Werken von John Harbison durch das Pittsburgh Symphony Orchestra unter André Previn aufgeführt (B0002RQ35C, First Edition, 2006).

Das vielteilige Orchesterwerk “Ulysses’ Bow” von John Harbison wurde für diese CD durch das Pittsburgh Symphony Orchestra unter André Previn aufgeführt (B0002RQ35C, First Edition, 2006).

Mirabai Songs fand jedenfalls ebenso den Weg ins Aufnahmestudio wie 1990 The Flight into Egypt mit anderen Werken für Kantatenchor, Instrumentalensemble und nicht zuletzt das Los Angeles Philharmonic Orchestra. Kammerformationen begleiten auch die Solistinnen Dawn Upshaw und Lorraine Hunt bei den kirchenmusikalisch orientierten Sätzen der Komposition At First Light (1998). Harbisons erste drei Streichquartette wurden zwischen 1992 und 2001 aufgenommen, 2004 und 2005 kamen vier Psalmvertonungen und die Motetten von Montale hinzu, die Boston Symphony Chamber Players nahmen sich 1999 des Klavierquintetts an. Seine 2. Symphonie studierte 1994 Herbert Blomstedt als Dirigent des damals schon international bedeutenden Orchesters von San Francisco in Verbindung mit der “Zweiten” von Roger Sessions, Harbisons Lehrer und sein eigenes Oboenkonzert ein.

Carey Mulligan und Leonardo Di Caprio bei den Aufnahmen zum Film 'The Great Gatsby' - ein Roman, von dem sich viele Künstler inspiriert fühlten, einschließlich John Harbison, der daraus eine Oper auf die Bühne stellte (5.11.2011, in einem Auburn Eight Boattail Speedster der 1920er Jahre, Eva Rinaldi, CC-Liz.).

Carey Mulligan und Leonardo Di Caprio bei den Aufnahmen zum Film ‘The Great Gatsby’ – ein Roman, von dem sich viele Künstler inspiriert fühlten, einschließlich John Harbison, der daraus eine Oper auf die Bühne stellte (5.11.2011, in einem Auburn Eight Boattail Speedster der 1920er Jahre, Eva Rinaldi, CC-Liz.).

Einen weiteren Durchbruch schaffte der Komponist mit der Oper The Great Gatsby nach dem Roman von Francis Scott Fitzgerald 1999 und damit lange bevor der Film mit Leonardo Di Caprio in die Kinos kam. Sie wurde in der “Met” gleichzeitig mit der Feier von James Levines 25jährigem Jubiläum an diesem Haus uraufgeführt. Im Bereich des solistischen Wechselspiels mit Orchester entstanden zwischen 1978 und 2011 Konzerte für Mezzosopran, Bariton, Violine, Bratsche, Cello, Klavier, Oboe, Flöte und Kontrabass. Ein gewisses Augenmerk galt auch seit 1972 rein solistischen Stücken, von denen hier nur die Zehn Mikro-Walzer für Klavier von 2004 genannt seien.

Das Massachusetts Institute of Technology in Cambridge beherbergt auch eine Abteilung für Musikproduktion und Chorkonzerte (Information Service Bldg.,  MIT, Daderot, 26.3.2011, p.d.).

Das Massachusetts Institute of Technology in Cambridge beherbergt auch eine Abteilung für Musikproduktion und Chorkonzerte (Information Service Bldg., MIT, Daderot, 26.3.2011, p.d.).

Zur hohen Professionalität und Befähigung zum Hochschullehrer schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt seiner Karriere trug sicherlich bei, dass John Harrison das Privileg genoss, an Elite-Universitäten wie Harvard und Princeton sowie an der Berliner Musikhochschule zu studieren. Bald schon wirkte er als Leiter verschiedener Festivals und Projekte und dirigierte das Großensemble Emmanuel Music in Boston. Doch diese Umstände scheinen gering zu wiegen gegenüber seinem kreativen Potenzial: Das Bekenntnis zur Unterschiedlichkeit, zur Variation, zum transparenten und innovativen “Großgemälde” in Musik und zur Wiedererfindung der Tradition spiegelt sich immer wieder in seinem Werk, das auch programmmusikalische Tendenzen – insbesondere aus dem Bereich der Lyrik – einschloss und Besetzungsalternativen dezidiert zuließ: Die Triosonate von 1994, ein Auftrag des Massachusetts Institute of Technology, an dem er selbst lehrt, kann alternativ auf dem Klavier, dem Cembalo, dem Hammerklavier oder einem elektronischen Keyboard gespielt werden …

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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