Interview mit Margaret Chardiet (Pharmakon)

„Nur das Einzelwesen scheint zur Empathie befähigt zu sein“

Bereits im zarten Alter von 17 Jahren reüssierte Margaret Chardiet als Pharmakon in der experimentellen Underground-Szene New Yorks. Zehn Jahre später legt sie mit „Contact“ (Sacred Bones/Cargo, ab Freitag) ihr drittes Vollzeit-Album vor. Auf ihm weicht sie zwar prinzipiell nicht vom leuchtenden Pfad eines elektronisch generierten und in jeder Hinsicht extremen Power-Noise in bester Whitehouse-Tradition ab, doch unternimmt sie nunmehr den Versuch, eine Transzendenz zu stimulieren, mit der sich die körperlich gebundene Beschränktheit des Geistes kollektiv überwinden lässt. Man bittet zum Gespräch.

Administriere bereits ab €0,- Deine Musikschule!

Margaret Chardiet (Pharmakon) (Sacred Bones Records)

Margaret Chardiet (Pharmakon) (Sacred Bones Records)

amusio: „Hi Margaret, du betonst, dass Contact einen bilateralen Austausch stimuliert, während es sich bei deinen vorherigen Alben im Rückblick lediglich um einseitige Deklamationen gehandelt haben soll. Wie hast du diese Verschiebung herbeiführen können?“

Margaret Chardiet: „Indem ich Contact nicht als ein konventionelles Album begreife. Sondern als eine Ausdrucksform, die weit über das übliche Format hinausweist. Contact bildet dabei den Auftakt. Und funktioniert auf Ebenen, die außerhalb der Begrenzungen von Vinyl, Artwork, Texten und Sounds existieren. Auf Ebenen, die zur Idee werden. Zur Idee als einem Begriff, dessen Definitionsversuche freilich viele Urheber kennt.“

amusio: „Du zielst auf die Idee der Transzendenz ab, auf eine Kollektivtranszendenz, die du über die Modi von Trance-Zuständen erlebbar machen willst. Trance verbinde ich mit Drogengebrauch oder mystisch-kultischen Handlungen, derweil ich die Transzendenz im philosophischen Sinne als das potentielle Resultat reiner Denkakte begreife…“

Margaret Chardiet: „Warum diese Unterscheidung? Glaubst du vielleicht, dass die philosophische Transzendenz der ritualisierten Trance auf Basis von Drogen, Glauben – oder auch Noise – überlegen ist? Mehr Gültigkeit für sich in Anspruch nehmen kann? Dem würde ich widersprechen. Das ekstatische Moment von Trance und Transzendenz lässt sich mit den Mitteln der Induktion weder verallgemeinern noch bewerten. Und – warum wähnt sich das philosophische Denken als eine Disziplin, die per se außerhalb jener Grenzen zu existieren vermag, für deren Überwindung sich Kunst und Musik in besonderem Maße eignen?“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>