Interview mit Alison Goldfrapp (Goldfrapp)

„Tom Jones? Wer soll das sein?!“

Am äußersten Ausläufer des diesjährigen Januars brachte Alison Goldfrapp den Schnee nach Berlin. Und zugleich das siebte Goldfrapp-Album, Silver Eye (Mute/Rough Trade, ab Freitag). Einmal mehr ein unvergleichlich überzeugendes Traktat aus Selbstbestätigung und formvollendet überhitzten Mut, der so gar nicht zum Blick aus dem Fenster passen will. Und anderseits kaum besser passen könnte, so Alison Goldfrapp und Will Gregory auf ihrem neuen Album die Widersprüchlichkeit des Elementaren zu einer Attraktion machen, die heiß und kalt zugleich werden lässt. Irgendwie ist immer Neumond.

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Goldfrapp: "Silver Eye" (Mute/Rough Trade)

Goldfrapp: “Silver Eye” (Mute/Rough Trade)

amusio: „Hi Alison, Silver Eye stellt sich sozusagen in den Dienst des Lunaren. Doch denke ich an den Mond, denke ich auch an seine – auch durchaus häufig beschworene – dunkle, uns Menschen abgeneigte Seite. Würdest du mir zustimmen, dass Silver Eye tatsächlich zwischen jenen Polen vermittelt, die uns nicht zuletzt auch emotional gleichermaßen zerreißen wie zusammenhalten – was uns, wie auch das Album, vornehmlich unberechenbar und somit zwangsläufig interessant macht?“

Alison Goldfrapp: „Das hast du exzellent interpretiert (lacht). Ja, darum geht es: Wir sind als Menschen – im übertragenen Sinne – ebenso mit der leuchtend schönen als auch mit der dunklen Seite des Mondes verbunden. Mal offensiv, mal unterschwellig. Dabei handelt es sich aber letztlich nur um einen Trabanten, dessen Strahlkraft von einem Stern ausgeht, dem wir nicht direkt ins Auge blicken können, ohne dauerhaft unser Augenlicht zu verlieren. Wir könnten jetzt die metaphorische Ebene des Albums noch weiter treiben. Aber ich denke, im Moment genügt es, sich darauf zu verständigen, dass Silver Eye von dem Janusköpfigen und von der mit seiner Natur einhergehenden Ambivalenz handelt. In einer für mich ausgesprochen direkten Weise.“

amusio: „Das ist auffällig, und in einer geradezu, pardon, frappierenden Weise offensichtlich. Wäre es hingegen eine Fehleinschätzung, wollte man Silver Eye als das – in Anführungsstrichen – persönlichste Album von Goldfrapp bezeichnen?“

Alison Goldfrapp (lacht): „Mach nur so weiter…“

amusio: „Nun denn, auf mich erweckt Silver Eye den Eindruck, als ob es sich nicht für das Fieber und die damit verbundene, geschärfte Selbstwahrnehmung schämt, dem es sich verdankt. Es brodelt, es pulsiert…“

Alison Goldfrapp: „Was jedoch nicht heißen muss, dass das Album nur auf den Dancefloor ausgerichtet ist. Du weißt, dass Will und ich mit rein zweckgerichteter Musik so unsere Probleme haben. Auch wenn ich es liebe, zu tanzen. Tanz als Ausdruck von körperlicher Verfasstheit? Unbestritten. Aber Silver Eye tangiert – mehr noch als den Mond, vielleicht – das Sinnbild des Vulkans. Der Eruption. Des sich Ergießens. Die Synchronisation des Elementaren. Ich denke nicht, dass ich in dieser Hinsicht noch expliziter werden muss.“

amusio: „Keineswegs. Aber das Gefühl von Wärme oder gar Hitze, das Silver Eye auslöst, lässt sich ohnehin kaum verleugnen…“

Alison Goldfrapp: „Nein, wir haben uns wirklich darum bemüht, den zunächst recht kalten, gerne auch technoiden Sounds, Wärme und Hitze zu verleihen. Um dem vermeintlichen Widerspruch, oder besser: den vermeintlichen Gegensatz aufzulösen. Wenn du deine Musik im Digitalen anlegst, läufst du Gefahr, zu geleckt, kontrolliert raffiniert oder schlicht statisch zu klingen. Will und ich haben uns oft über diesen Aspekt verständigt, darum haben wir auch schon länger nicht – oder überhaupt noch nie – eine Platte gemacht, die das Sterile auf sich beruhen lässt. Sicher, manchmal setzen wir das kühl kalkuliert Digitale im Sinne eines Stilmittels ein. Denn wie wollten wir sonst den Kontrast heraufbeschwören?! Also jenen Kontrast von dem Silver Eye, nun ja, beseelt ist. Ich bin aber gerade sehr dafür, dem Analogen und der mit ihm verbundenen Menschlichkeit den Vorrang zu geben. “

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