Wave Gotik Treffen XXVI - Ausblicke (3)

Interview mit Myk Jung: „Überschätzt? Skinny Puppy?!“

Die erste Tranche von bestätigten Bands für das diesjährige Wave Gotik Treffen brachte gleich eine wahrhaftig sensationelle Ankündigung ins spannende Spiel mit der Hege und Pflege antizipatorischer Laune: Nach über sechs Jahren der europäischen Abstinenz werden Skinny Puppy – cEvin Key und Nivek Ogre – das einzige Deutschland-Konzert ihrer Down The Sociopath-Tour im Rahmen der Leipziger Pfingstfest-Feierlichkeiten absolvieren. Ein Hochamt sozusagen, erweist sich die aus Vancouver stammende Formation bereits seit über drei Jahrzehnten als stilbildende und in diesem Sinne bis heute konkurrenzlos agierende Speerspitze eines vollkommen eigenmächtigen Verständnisses von Sound und Show. Aus diesem Anlass war The Fair Sex-Frontmann, Autor und Musikjournalist Myk Jung so freundlich, mit uns gemeinsam zu erörtern, wie und warum Skinny Puppy zu Ikonen der schwarzen Szene wurden – und fortan geblieben sind.

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(wave-gotik-treffen.de)

(wave-gotik-treffen.de)

amusio: „Hi Myk, erinnerst du dich noch an dein erstes Mal, an deine erste Begegnung mit Skinny Puppy?“

Myk Jung: „Wie könnte ich das je vergessen?! Es war im Winter 85/86, im Club Memphis zu Essen. Plötzlich lief dort Smothered Hope. Und ich spürte sofort, dass da etwas noch nie zuvor Dagewesenes mit mir geschah. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon mit The Fair Sex unterwegs. Wir hatten den Wandel vom Blues-Rock der Anfangstage zum Post Punk – samt der Faszination für Düsternis und Zorn – längst vollzogen und fingen damit an, elektronische Elemente – Synths, Drum Machines und Samples – auch in unseren Sound zu integrieren.“

amusio: „Dennoch erschienen dir Skinny Puppy auf Anhieb als genialische Vorreiter, denen man nicht so schnell mal eben hinterher galoppieren konnte. Warum?“

Myk Jung (facebook.com/mykjung)

Myk Jung (facebook.com/mykjung)

Myk Jung: „Diese Dichte, diese mehrdimensionalen Flächen und Verflechtungen, diese latente Transparenzverweigerung, die frühe Raffinesse der Klangerzeugung! Ja, diese nahezu vollkommen neuartige Klangsprache: Ich war verliebt und verloren. Zudem ließ sich bereits im Zuge der EP Remission sowie dem dortigen Übersong Solvent erahnen, dass den Kanadiern auch auf lange Sicht keiner das Wasser würde reichen können. Erst recht nicht die einschlägigen EBM-Bands wie Front 242, Nitzer Ebb oder auch à;GRUMH…“

amusio: „Im Triple-Package mit à;GRUMH… und Severed Heads konnten Skinny Puppy erstmals live in Deutschland erlebt werden. Und – wie geil war das denn?!“

Myk Jung: „Nun ich war dabei, im Oktober 86 im Logo in Bochum. Dieses Event bestätigte mein Dafürhalten. à;GRUMH… empfand ich als prollig, dämlich, billig und allzu leicht durchschaubar. Hingegen bestätigten Skinny Puppy mit einer wahrlich aufregenden Show ihren aufkeimenden Nimbus. Und: Wenn sich Nivek Ogre schlitzte oder aufhing, dann nicht aus reinem Selbstzweck.“

amusio: „Es wurde schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass Skinny Puppy – trotz aller Vernebelungstaktiken – etwas zu sagen hatten und auch sagen wollten. So erwuchs auch im Hinblick auf die Vermittlung von Inhalten sozusagen eine eigene Kunstform…“

Myk Jung: „Absolut. Allein schon die Idee, beziehungsweise die Art und Weise, Samples fünf- oder gar sechsfach auf eine Snare zu legen, verriet den genialischen Ansatz. Und prompt sind wir beim Album Bites sowie den Tracks Assimilate, The Choke und Deadline angelangt, zu denen dann auch kräftigst abgetanzt wurde…“

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