Experimentelle Klänge aus Zentralamerikas Westen

De manera mexicana

Seit sich Carlos Chávez (1899 – 1978) mit seinem Werk, etwa den Cantos de México oder Xochipilli Macuilxóchitl – einer Widmung an den alten Musikgott – für die Vergegenwärtigung aztekischer Musik einsetzte, fällt trotz etlicher kultureller Schnitte sein langer Schatten immer noch voraus bis in die nahe Zukunft. Denn sein zweiter Coup bestand darin, die aktive Besinnung auf älteste Traditionen mit progressiven Elementen zu verbinden, so dass sich auch die neuesten Entwicklungen auf ihn zurückbeziehen können, eben weil er keiner simpel nationalmusikalischen Strömung anhing.

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Unter anderem kam die Klangkünstlerin Angélica Castelló auf dem CTM-Festival in Berlin im Januar "zu Wort" (16.1.2009, David Murobi, CC-Liz.).

Unter anderem kam die Klangkünstlerin Angélica Castelló auf dem CTM-Festival in Berlin im Januar “zu Wort” (16.1.2009, David Murobi, CC-Liz.).

Auf ihn machte beiläufig auch der Klangforscher Carlos Prieto Acevedo zum Anlass des Berliner CTM Festivals im Januar diesen Jahres aufmerksam. Das einzigartige Festival für experimentelle und elektroakustische Musik machte diesmal in einer Begleitausstellung unter seiner Kuratel auf die vitalen neuen Trends in Mexiko aufmerksam, ungeachtet oder vielleicht sogar im Kontrast zur Politik des US-Präsidenten gegen seinen “schwierigen” Nachbarn (?) Der tatsächliche Grund liegt darin, dass Acevedo die Möglichkeit einer Präsentation seines Landes wahrnahm, nachdem er bereits seit 2014 Kontakte zum CTM-Festival gepflegt hatte. Zur Klangsprache kamen im Kunstquartier Studio unter verschiedenen Aspekten die Künstler(inn)en Angélica Castelló, Guillermo Galindo, Carlos Sandoval, Roberto Morales, Mario de Vega und Carmina Escobar.

Die Comicarbeiten von Guillermo Galindo fanden neben anderen (audio-)visuellen Repräsentationen ihr Forum in Acevedos Ausstellung zum Berliner CTM-Festival 2017 (Carmosg, 10.5.2012, CC-Liz.).

Die Comicarbeiten von Guillermo Galindo fanden neben anderen (audio-)visuellen Repräsentationen ihr Forum in Acevedos Ausstellung zum Berliner CTM-Festival 2017 (Carmosg, 10.5.2012, CC-Liz.).

Eben auf die aktuelle elektroakustische wie experimentelle Szene in Mexiko lenkte der Fokus der Ausstellung unter dem Motto Critical Constellations of the Audio-Machine in Mexico, vorbereitet auch durch deutsche und mexikanische Kulturinstitutionen und politische Einflussnahme. Interessant ist dabei Acevedos Grundeinsicht, dass durch Klänge gesellschaftliche Wirklichkeit und Geschichte anders gelesen werden könnten. Klänge, Bilder, Filme und Installationen dienen als Metaphern, um geistesgeschichtliche Weichenstellungen neu zu verstehen. Sie sind Abbilder weltpolitischer, nationalistischer und postnationaler Richtungswechsel. Und letztlich ist eine der Ideen in der Moderne, nämlich der Indiofuturismus, Chávez’ Anstößen zu verdanken.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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