Das Auferstehungsfest in Musik: tiefsinnig und schwerelos zugleich

An einem Ostermorgen

Johann Peter Emilius Hartmanns Beitrag zum Karfreitag folgt einem getragenen Moderato-Maß, steht allerdings nicht in Moll, sondern seltsamerweise in der sonst eher versöhnlichen Tonart F-Dur. Das daran anschließende erst besinnliche, danach aber auffahrende Allegretto der nur zweisätzigen Orgelsonate op. 47 widmet sich dann dem Anlass des Ostermorgens. Einer der großen Experten französischer Orgelmusik, Hans Fagius, spielte das ungewöhnliche kleine Meisterstück für das Label Dacapo 2005 an der Marcussen-Orgel der Haga Kirche in Göteborg ein, womit er eine Lücke schloss, denn trotz des umfänglichen Gesamtwerks, das der bedeutende Kopenhagener Komponist der frühromantischen Periode hinterließ, liegen noch längst nicht alle seine wichtigen Werke auf Tonträger oder im Internet als Aufnahmen vor.

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Im Inneren der Kathedrale Vor Frue Kirke, dem einstigen Arbeitsplatz von Johan Peter Aemilius Hartmann, unter anderem an Ostersonntagen (MM, Oktober 2007, p.d.)

Im Inneren der Kathedrale Vor Frue Kirke, dem einstigen Arbeitsplatz von Johann Peter Emilius Hartmann – unter anderem anlässlich seines Einsatzes an Ostersonntagen (MM, Oktober 2007, p.d.)

Typisch für den Satz Ostermorgen, der zunächst einen durchaus meditativen Charakter trägt, sind die häufigen, auch andernorts regelmäßig genutzten dissonanten akkordischen Durchgänge, die Hartmanns Gangart von derjenigen seines Zeitgenossen Felix Mendelssohn-Bartholdy stilistisch unterscheiden, obwohl manches in seinem Gesamtoeuvre immer wieder eine Nachbarschaft zu diesem aufweist – abgesehen vom gleichzeitigen frühen Schaffen. Der Urheber der Sonate war selbst seit 1843, nach seinem Wechsel von der Garnisonskirche, hauptamtlicher Organist an der Vor Frue Kirke in Kopenhagen, hatte damit also in der Liturgie des Kirchenjahreszyklus an der Kathedrale seiner Heimatstadt immer wieder Gelegenheit, eine Komposition wie diese zum Gottesdienst eines Ostermorgens vorzutragen.

Repräsentative Orgelwerke von J.P.E. Hartmann und seinem Schwiegersohn N.W. Gade wurden vor 12 Jahren von Hans Fagius eingespielt (B000C847F4, Dacapo Records).

Repräsentative Orgelwerke von J.P.E. Hartmann und seinem Schwiegersohn N.W. Gade wurden vor 12 Jahren von Hans Fagius eingespielt (B000C847F4, Dacapo Records).

Bemerkenswert ist zu Beginn des recht knappen Allegretto-Satzes der noch mit dem Geschehen des Karfreitags ringende, gedämpfte chromatische Passus, an den sich eine kurze, aber fröhliche choralbasierte Tutti-Passage anschließt. Eine weitere mag den Zuhörer heute eher an eine Spieluhr oder den Leierkasten im unweit gelegenen Tivoli-Park erinnern als an den manchmal strengen Ernst eines frühen Ostergottesdienstes. Abgelöst wird diese von einer harmonisch komplexen aufsteigenden Skala pleno organo als emphatischer Figuration der triumphalen Auferstehung selbst.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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