Donkey Pilots „Garbage Man“ – Was uns nicht tötet, macht uns stärker

Was? Die kommen nicht aus den USA? … Aus Hameln? Hamlin, Texas? – Nein, Hameln, Niedersachsen.
So oder so ähnlich könnte sich eine Erstreaktion auf das Debütalbum „Garbage Man“ der Donkey Pilots gestalten. Offensichtlich gibt es in der Region um Hameln nicht nur Ratten und Flötenspieler, sondern auch Esel, die Musik machen. Und zwar von einer Art, die heutzutage nur noch selten anzutreffen ist: verdammt gute, gitarrenlastige Rockmusik.

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"Garbage Man" - das Debütalbum der Donkey Pilots

“Garbage Man” – das Debütalbum der Donkey Pilots

Eigentlich sehen die vier Bandmitglieder der Donkey Pilots – Hector Pascal, Tyler Bourbon, Buzz T und Mr. Reece – ganz harmlos und irgendwie allerweltsmäßig aus, ihr Sound und ihre Texte sind jedoch ziemlich schmutzig und verrucht.

Da geht es um Sex, Sünde und Tod, garniert mit der Klangfarbe unverwechselbarer Einflüsse aus der Rockwelt der 90er Jahre. Trotz der düsteren Thematiken kommt die Musik der Donkey Pilots jedoch keineswegs todessehnsüchtig oder laut-aufdringlich daher. Vielmehr schleicht sie sich von hinten an, während sich Gitarrenhälse geschmeidig um einen winden und in das Rock-Nirwana ziehen. Zweifellos gefolgt von einem bösen Kater, aber das ist einem bei dem guten Geschmack, der warm und erotisch die Gehörgänge hinunterfließt, auch egal.

Bestes Beispiel dafür ist der Track „Sweet“. Dirty und sleazy beginnt die Stimme des Sängers Hector Pascal von Sex auf Dielenbrettern am Fuße einer Treppe zu erzählen, schmutzig und sehnsüchtig. Dieser Duktus zieht sich durch den gesamten Song, wobei der Sound sich nicht weniger dreckig präsentiert. Spätestens beim Gitarrensolo fliegt einem – in Ermangelung eines passenderen Gleichnisses – das Höschen weg. Deshalb nennen sie ihre Musik vermutlich Blow Rock…

The Godfathers of Blow Rock: Donkey Pilots / Foto: Katharina Geber

The Godfathers of Blow Rock: Donkey Pilots / Foto: Katharina Geber

Die düstere Grundstimmung der Texte auf „Garbage Man“ kann natürlich auch mit der Entstehungsgeschichte des Albums zu tun haben. Während der Produktion wurde die Band von so ziemlich jeder Widrigkeit heimgesucht, die auf dieser Erde nur lauern kann. Aber nicht einmal ein dahingeraffter Studiorechner konnte die vier Jungs davon abhalten, ihre Mischung aus auskomponiertem Adult Orientated Rock, 90er Grunge-Gitarren und fast punkig anmutenden Elementen an den Mann zu bringen. Ohne derartige Hindernisse wären vielleicht Songs wie das Klapsmühlen-Lied „First Class Depression“ gar nicht entstanden. Die Band lässt sich also nicht hängen, denn „you have to escape, you got to make your escape again from the castle of your worried mind“.

Was uns nicht töten, macht uns stärker, könnte also das Motto der Donkey Pilots lauten. Da könnte man sich schon mal besaufen, um so richtig „Pissed“ zu sein. Aber die Donkey Pilots ergehen sie sich nicht etwa in Selbstmitleid, sondern feiern die dunklen Seiten des Lebens regelrecht: „If you can’t celebrate me, I’ll celebrate myself… With an ego blown up like this one could never fail“, heißt es da etwa im ersten Song des Albums. Hoffen wir, dass ihr Ego sie ganz weit bringt!

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.

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