Pfade durch die Musiklandschaft Australien XLII

Gel(i)ebtes Saxophon

Mit Vertigo, einem Duett für Klarinette und Saxophon, später umgeschrieben für zwei Saxophone, startete eine lange Reihe vielversprechender, vor allem kammermusikalischer Kompositionen: Damit trug die in Sydney beheimatete Saxophonistin Katia Beaugeais erst 2005 in gedruckter und veröffentlichter Form zur zeitgemäßen Literatur für “ihr” Instrument bei. Doch von primärer Bedeutung für die Verbreitung ihrer Stücke war nicht die Publikation in Noten, sondern die Präsenz der Komponistin und Musikerin mit ihrem Werk im Rundfunk und auf anderen Medienkanälen.

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In origineller (Sommer-)Beleuchtung: Das Konservato(rium von Sydney (Steve Collins, Melbourne, 17.6.2010, CC-Liz.)

In origineller (Sommer-)Beleuchtung: Das Konservato(rium von Sydney (Steve Collins, Melbourne, 17.6.2010, CC-Liz.)

Derzeit beschäftigt sie sich nach Aufführungen in Australien, Großbritannien, Neuseeland, Kanada, Peru und einigen asiatischen Ländern hinaus auch theoretisch mit der Rolle des Komponisten, der gleichzeitig Ausführender ist. Ihre eigene Arbeit ist dabei last but not least noch von einem dritten Engagement, nämlich dem Konservatoriumsunterricht geprägt; sie lehrt in Sydney Komposition und Kammermusik. Außer für das Saxophon und insbesondere dessen Sopran-Variante in Besetzungen mit einem weiteren, Klavier, Cello, Klarinette, Vibraphon oder im Saxophon-Quartett schrieb sie auch Solo-Stücke dafür sowie für Flöte und Oboe. In einem Quintett für Oboe, zwei Violinen, Viola und Cello aus dem Jahr 2008 hielt sie den unglücklichen Flugzeugabsturz von Antoine de Saint-Exupéry fest. Programmatisch ebenso pointiert wirkt die Vertonung von Afternoon at the Orangerie für Sopranstimme und Kammerensemble.

Katia Beaugeais gewann für ihre (Saxophon-)Kompositionen und Auftritte bereits mehrere Preise (Australian Music Centre).

Katia Beaugeais gewann für ihre (Saxophon-)Kompositionen und Auftritte bereits mehrere Preise (Australian Music Centre).

Es blieb bislang aber nicht beim Komponieren für traditionelle Orchesterinstrumente. Mit By the Water trug Beaugeais 2012 zur audiovisuellen Installationskunst bei; das “Stück” wurde von ihr selbst und den Veranstaltern von Halcyon anlässlich der Cabarita Park Twilight Exhibition aufgeführt. Auffallend unprogrammatisch erscheinen dagegen die ziemlich anspruchsvollen Etüden 10 & 14 für (Alt-)Saxophon und Vibraphon, die von der Komponistin und Joshua Hill 2019 in der East Recital Hall des Sydney Conservatorium of Music erstmals vor (einem größeren) Publikum gespielt wurden. Dabei handelt es sich nicht um gänzlich originäre Etüden, sondern um Arrangements aus dem Werk von Charles Koechlin.

Im Prinzip auch für eine Formation wie das World Saxophone Quartet schuf die Komponistin Katia Beaugeais dankbares Repertoire: etwa mit 'Drifting Memories' 2008 (Andy Newcombe, Farnborough, 2007, CC-Liz.).

Im Prinzip auch für eine Formation wie das World Saxophone Quartet schuf die Komponistin Katia Beaugeais dankbares Repertoire: etwa mit ‘Drifting Memories’ 2008 (Andy Newcombe, Farnborough, 2007, CC-Liz.).

 

Dem Andenken der Terrorismusopfer von Paris Ende 2015 und gleichermaßen den Betroffenen des Kriegs in Syrien widmete sie ihr Manifesto pour la Paix, das vom Queensland Symphony Orchestra und dem Bläserorchester des Konservatoriums Sydney beauftragt wurde. Ein Jahr zuvor hatte schon Terra Obscura, ihr Konzert für Saxophon und Orchester, für Aufmerksamkeit gesorgt, ebenso wie dies 2016 für die Aufführung von Bläsern der Navy Band übernommene Stück First Light at Uluru im Sinne eines Saxophonieorchesters zutrifft. Mit eigenen Auftritten verbuchte sie sowohl im Selmer Saxophonmuseum in Paris als auch beim Saxophon-Weltkongress in Schottland jüngere Erfolge. Die besondere Klangvariabilität des Sopran-Saxophons stellte Katia Beaugeais mit dem nur neunminütigen Solo Sound Box (2008) unter Beweis.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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