Serbian War Songs

Zeitkratzer / Svetlana Spajic / Dragana Tomic / Obrad Milic

So jemand zögert, sich zu diesem von Karlrecords veröffentlichen Album zu äußern, mag das bitte nachzuvollziehen sein. Zu schwer die Kost, zu leicht das Missverständnis. So sich das Ensemble auch Kriegsliedern (was für ein Wort an sich!) des angeblich ersten Welt-Dilemmas widmet, kann das Album die Wunden jüngerer Vergangenheit nicht ausblenden. Will es wohl auch nicht.

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Zeitkratzer / Svetlana Spajic / Dragana Tomic / Obrad Milic: "Serbian War Songs" (Karlrecords)

Zeitkratzer / Svetlana Spajic / Dragana Tomic / Obrad Milic: “Serbian War Songs” (Karlrecords)

Konzeptionell und ideell-ideologisch höchst verfänglichen Themen nicht abgeneigt zu sein, entbehrt nicht einer gewissen Tragik: Seriosität wird dann rasch zur Parteinahme umgedeutet, so man nicht, wie etwa Laibach, den ganzen Komplex in die Ironie geleitet. Ironisch ist an Serbian War Songs gewiss nichts. Die Ernsthaftigkeit des Unternehmens kann gleichermaßen Begeisterung wie Ekel auslösen. Dazwischen gibt es nichts.

Oder vielleicht doch?! Sich an serbischen, kroatischen, mazedonischen oder auch albanischen Lagerfeuern die unschuldigen Hände beim Kadarka zu reiben, mag im Sinne pan-europäischer Einvernehmung durchaus dem moralischen Rechtfertigungszwang entgehen. Was aber wenn, um mal ein Beispiel in die Runde zu werfen, Zeitkratzer alsbald das „Horst Wessel-Lied“ dekompostieren?

Die Lieder, um die es hier geht, transpirieren mehr Angst als Stolz oder Nationalismus. Das Ableben im Nacken, die kommende Nacht perhorresziert. Es ist eben die Liedform, die Zeitkratzer aufreizend ausreizen (man gedenke der Alben Volksmusik und Neue Volksmusik). Die artifizielle Distanz, die Reinhold Friedl zu wahren gedenkt, diffundiert im Zuge der eigens oktroyierten Literatur.

Wenn Vögel singen, stecken sie vermutlich „nur“ ihr Territorium ab. Wenn (serbische) Kriegslieder erklingen, ergibt dies allenfalls einen graduellen Unterschied. Die Orthodoxie des Friedenswillens im Kreuzfeuer der Realität – dieses Album gefällt nicht nur. Es regt zum Nachdenken (und zum Verzweifeln) an. Tod dem Tod.

zeitkratzer.de

dense.de

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