Töne aus den Staaten: Alabama, Florida, New York

Imagination und Kunstwerk

Zuerst landete er am Birmingham-Southern College in Alabama, dann ergab sich ein weiteres Studium in Floridas Metropole Miami, bevor er an die State University of New York ankam und dort abschloss. Philip Schuessler hatte sich offenbar die besonders sonnigen Seiten der Vereinigten Staaten für seinen Bildungsgang ausgesucht, was aber nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten sollte: Der junge Nachwuchskomponist kann schon jetzt eine umfangreiche “Litanei” an Werken vorweisen, die ebenso häufig (semi-)elektronisch wie an selteneren kammermusikalischen Formationen orientiert sind. Klangideen und -spektren erprobte er dabei schon mit seinem New Yorker Dissertationsprojekt in Komposition unter dem Titel Towers, Clocks and Glass (2007/08) für Orchester.

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Schuesslers 'Bicyclette Etude Number 3' - komponiert für zwei-Kanal-Digital Audio - ist auf diesem MP3-Sammelalbum mit aktuellen Werken verschiedener Komponisten enthalten (Janus Music and Sound 2017, B01MZDPAPR ).

Schuesslers ‘Bicyclette Etude Number 3′ – komponiert für zwei-Kanal-Digital Audio – ist auf diesem MP3-Sammelalbum mit aktuellen Werken verschiedener Komponisten enthalten (Janus Music and Sound 2017, B01MZDPAPR ).

Auf zahlreichen Festivals wurden seine Arbeiten vorgestellt: sowohl auf dem New Music Forum in San Francisco und dem Spark Festival in Minneapolis als auch beim Festival Artomatic in Viriginia und dem New Music Symposium an der Universität von Tennessee in Chattanooga. Dem großen Anteil an subtiler Kammermusik innerhalb seines Schaffens geschuldet regte er auch etliche Ensembles und Solist(inn)en zur Aufnahme der Stücke in ihr Programm an, etwa die Sopranistin Tony Arnold, den Cellisten Craig Hultgren oder den Schlagzeuger Daniel Kennedy, das Mantra Percussion Ensemble, das Dither Guitar Quartet und das Goliard Ensemble.

Eine wechselseitige Inspiration zwischen elektronischen Realisationsmöglichkeiten und klassischem Instrumentarium ist unverkennbar: Particle Fountain (2014) wird von Klavier und Perkussionisten bestritten, Altsaxophon und (programmiertes) Tonband treffen in der Fortsetzung III (2011) seines Zyklus’ Interruptions aufeinander, Ripple (2010) widmet sich den Klangfusionswelten von Gitarren und Schlagwerk und Tracers aus demselben Jahr ist einem Saxophonquartett mit Klavier und elektronischem Equipment auf die Haut geschrieben.

Für dieses exquisite Album mit zeitgenössischen Werken für Saxophon mit Klavier und elektronischen Instrumenten saß Philip Schuessler selbst am Klavier (B01ABARFO2, Centaur).

Für dieses exquisite Album mit zeitgenössischen Werken für Saxophon mit Klavier und elektronischen Instrumenten saß Philip Schuessler selbst am Klavier (B01ABARFO2, Centaur).

Der Komponist verfolgt zwar die Verwirklichung sehr freier individueller Ideen, bezieht aber auch Literarisches ein wie Tiamat für einen Tenorsolisten oder Looking Glass House für Sopran und Ensemble von 2009 zeigen aber auch die Schauspielmusik Four Inter(ludes) (2010) für zwei Melodieinstrumente und Schlagzeug. In Umkehrung zur Verwendung gesungener Sprache generiert er Poetisches aus digitalen Klängen, wofür beispielhaft sein Flicker-Poeme aus dem Jahr 2006 stehen mag. Derzeit schließt Philip Schuessler die Arbeit an einem neuen Stück für Saxophon-Quartett ab, das im Oktober 2017 unter dem brasilianisch-portugiesischen Titel Quarteto Obrigado an der University of New Orleans erklingen soll.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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