XIII. Amphi Festival Previews (3)

Interview mit Box And The Twins

(amphi-festival.de)

(amphi-festival.de)

Spätestens seit seinem im vergangenen Herbst erschienenen Debütalbum Everywhere I Go Is Silence (Manic Depression) erlangt das aus Köln stammende (und zurzeit als Duo reüssierende) Dark Wave/Dreampop-Trio Box And The Twins endlich jene Aufmerksamkeit, die einschlägige Szenekenner den langjährigen Verfechtern eines gleichermaßen verträumten wie energetischen Sounds schon seit ihren Anfängen als Coctail Twins vergönnen. Mit der Einladung zum Amphi Festival schreibt sich die Erfolgsgeschichte weiter fort. Doch zuvor wollen wir im Gespräch mit den Autoren einmal dem Stand der Dinge auf den wohlklingenden Grund gehen.

amusio: „Hi Box, Hi Mike, was euch in den letzten Monaten so widerfahren ist, war nicht unbedingt prognostizierbar…“

Box: „Das kann man wohl so sagen. Und das haben wir in der Form auch überhaupt nicht erwartet. Wir sind in jeglicher Hinsicht mehr als positiv überrascht.“

amusio: „Machen wir euren Überraschungserfolg zunächst einmal an euren diesjährigen Festival-Gigs auf höchster Ebene fest. Ihr wart auf dem WGT zu Leipzig, jetzt geht es zum Amphi Festival. Fehlt eigentlich nur noch das M’era Luna bei Hildesheim…“

Mike Twin (lacht): „Ja, wir warten stündlich auf eine Einladung. Nein, im Ernst: Wir sind mit dieser Entwicklung überaus glücklich. Und wir empfinden das Amphi-Booking als eine große Ehre, auch weil wir uns als Band dort nie vermutet hätten. Rückblickend zählen aber auch die hervorragend verlaufene Tour mit Klez.e sowie der Support für Phillip Boa und Drab Majesty zu den Highlights der vergangenen Monate. So kommt eins zum anderen. Im Sinne eines vorab verabschiedeten Masterplans lässt sich das nicht bewerkstelligen.“

(facebook.com/boxandthetwins)

(facebook.com/boxandthetwins)

Box: „Vielmehr erinnert diese Dynamik der Ereignisse an eine Art Dominoeffekt…“

amusio: „Dessen Hauptimpuls sich nicht zuletzt der Qualität eures Debütalbums verdanken dürfte…“

Mike Twin: „Und wir sind wiederum dankbar, dass unser Album so viel Aufmerksamkeit und positive Resonanz nach sich gezogen hat. Ich hegte im Vorfeld der Veröffentlichung schon ein wenig die Befürchtung, das sie irgendwie verpuffen würde. Doch die Abstrahleffekte reichen bis nach Übersee. Aus aller Welt treffen bei uns Bestellungen ein. Und jede Menge anerkennende Post.“

Box: „An dieser Stelle möchte ich aber auch noch mal betonen, in welch hohem Maße Hante. zum Gelingen von Everywhere I Go Is Silence beigetragen hat. Sie hat das Album gemastert, gemixt und auf ihrem Label veröffentlicht. Insgesamt ein schönes Beispiel, wie eine innige Freundschaft auch kreativ zum Ausdruck kommen kann.“

amusio: „Nun, Hante. hat mit Between Hope & Danger kürzlich ja auch wieder ein vorzügliches Album vorgelegt. In gewisser Weise gehört sie zu den Vorreitern eines akuten Trends, der im weiten Spannungs- und Entspannungsfeld zwischen Dreampop, Shoegaze, Post Punk oder Cold Wave zahllose neue Bands in den Fokus eines interessierten Publikums rückt. Diese Konjunktur spiegelt sich auch im Billing des Amphi wider, wo neben euch Senkrechtstarter wie Holygram oder längst etablierte Acts wie Esben And The Witch das Angebot bereichern…“

Box And The Twins: "Everywhre I Go Is Silence (Synth Religion/Manic Depression/Altone)

Box And The Twins: “Everywhre I Go Is Silence (Synth Religion/Manic Depression/Altone)

Mike Twin: „Natürlich freut es mich, dass derlei Spielarten, die im Sinne einer Genre-Definition zumeist nur unzureichend erfassbar bleiben, inzwischen auch von den Veranstaltern der großen Festivals wahrgenommen werden. Das Amphi verfügt zwar nach wie vor über einen tradierten Electro-Schwerpunkt, doch mit Lebanon Hanover wurde bereits im vergangenen Jahr eine Band aufgeboten, die jene Nische besetzt, in der auch wir uns zurechtfinden und wohlfühlen. Der Underground durchsetzt sozusagen die Subkultur, er wächst und gedeiht. Aber das hat Gründe: Die Musik ist qualitativ stark – und hat zudem das Potenzial, sich stets weiterzuentwickeln.“

amusio: „Doch wie erklärt ihr euch die Schwemme von jungen Bands aus besagtem Umfeld, die zu allem Überfluss auch noch wahrgenommen werden?“

Box: „Als charakteristisches und zugleich verbindendes Element erachte das Eskapistische. Die Introspektive, das Abwenden von der baren, oft schnöden oder auch grausamen Realität. Hier könnte ein Bedürfnis anklingen, das von vielen Hörern geteilt wird.“

Mike Twin: „Eskapismus und Melancholie sind seit meinen Jugendtagen die entscheidenden Motivationsfaktoren, um Musik überhaupt hören oder spielen zu wollen. Ich denke, diese beiden Aspekte halten heutzutage eine ganze Reihe unterschiedlicher Genres letztlich auch zusammen.“

amusio: „Sollten wir gar von einem Meta-Genre sprechen?“

Mike Twin: „Vielleicht. Durch die Kombinatorik und das gegenseitige Befruchten entstehen neuartige Interpretationen der bekannten Themen. Hinzu kommt ein hochgradig individueller Aufgriff und Umgang mit dem musikalischen Erbe. Keine mir bekannte Band des Genres, die in ihrem Mix nicht etwas Eigenes vorzuweisen gehabt hätte.“

Twin & Box (Facebook.com/boxandthetwins)

Twin & Box (Facebook.com/boxandthetwins)

amusio: „Da macht ihr sicherlich keine Ausnahme. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es nicht immer einfach ist, sich auf die spezifische Tonalität eines Songs zu einigen…“

Mike Box: „Das gestaltet sich mitunter tatsächlich recht schwierig. Da empfiehlt es sich, den ein oder anderen Track zunächst einmal auf Halde zu legen und auf sich beruhen zu lassen. Bevor es noch zu Streitigkeiten kommt (lacht).“

Box: „Letztlich entscheidet immer das gemeinschaftliche Hörerlebnis, ob ein Song im Sinne seiner Schöpfer gelungen ist. Oder ob er noch mehr Auseinandersetzung und Feinjustierung erfordert.“

amusio: „Arbeitet ihr denn kontinuierlich an der Erweiterung eures Repertoires? Oder wartet ihr dieser Tage noch ab, wie sich die Dinge in eurem Hause so entwickeln?“

Box: „Nachdem uns Mark, unser langjähriger Gitarrist, vor kurzem verlassen hat, sehen wir uns mit der Notwendigkeit konfrontiert, eine Umstrukturierung herbeizuführen und unsere Identität als Box And The Twins neu zu finden. Wir durchlaufen eine ungemein spannende Phase, die im Ergebnis sicher auch auf unserem nächsten Album ihre Spuren hinterlassen wird.“

amusio: „Also seid ihr im Moment eher Box und das Einzelkind?“

Box (lacht): „Nun, Familienverhältnisse sollten generell keine allzu gewichtige Rolle spielen. Aber apropos: Unser jetziger Freund an den sechs Saiten begleitet uns zunächst einmal nur auf den Konzerten. Wir wissen noch nicht, in welcher Konfiguration wir weitermachen wollen.“

amusio: „Vom Nachbarviertel Köln-Kalk aus kommend, könntet ihr zum Amphi locker zu Fuß gehen. Wie geht ihr mit dieser Rahmenbedingung um? Werdet ihr am Freitag zeitig schlafen gehen? Oder gleich durchmachen?“

Box & Mike Twin (lachen): „Wir werden versuchen, möglichst gut erholt und bestens vorbereitet aufzuschlagen…“

(Facebook.com/boxandthetwins)

(Facebook.com/boxandthetwins)

amusio: „Auch der frühe Slot sollte an sich kein Nachteil darstellen, denn erfahrungsgemäß sind diese auch schon sehr gut besucht…“

Box: „Tatsächlich ist das früheste Konzert, das wir je gespielt haben. Aber Respekt nötigt uns vor allem das Schiff, die MS RheinEnergie, als Ort des Geschehens ab. Das ist schon eine ganz besondere Angelegenheit.“

Mike Twin: „Beim WGT waren wir am späten Nachmittag dran. Und es war eine rundum tolle Erfahrung. Wenn also die Besucher vom Amphi noch früher Bock darauf haben, sich Bands anzuschauen, umso besser. Zudem fühlen wir uns angesichts des Line-up sowie der Running Order am Samstag auf der Orbit Stage bestens aufgehoben. Mit Esben And The Witch und dem Clan Of Xymox als persönlichen Highlights. Da haben die Veranstalter aber mal wirklich ein fantastisch kompiliertes Festival im Festival zusammengestellt!“

Box And The Twins spielen am Festival-Samstag um auf der MS RheinEnergie (Orbit Stage)

This Place Called Nowhere:
youtube.com/watch?v=tN0fhVh2dT4

boxandthetwins.com
facebook.com/boxandthetwins

amphi-festival.de

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