XIII. Amphi Festival Previews (4)

Interview mit Patrick Blümel (Holygram)

Die EP: Holygram s/t (Oraculo/Reptile)

Die EP: Holygram s/t (Oraculo/Reptile)

amusio: „Hauptsache, nicht alles ergreift gleich die Flucht. Apropos toller Wahnsinn. Mit gerade mal einer EP im Gepäck zum WGT, zum Derby und nun aufs Amphi. Wer hätte das gedacht? Am allerwenigsten wohl ihr selbst, oder?“

Patrick Blümel: „Es fühlt sich irgendwie noch immer völlig irreal an. Erst im Oktober ist unsere EP erschienen, nachdem wir damit längere Zeit gewartet und das gesamte Projekt eher im Mysteriösen belassen hatten. Doch dann dachten wir, dass wir endlich mal mit etwas rausrücken sollten.“

amusio: „Und so habt ihr prompt auch den Newcomer-Poll im Sonic Seducer für euch entschieden…“

Patrick Blümel: „Es ergab sich eine Fügung diverser Dinge, die uns immens gepusht hat. Bis uns dämmerte, dass wir wohl irgendwas richtig machen. Musiker bemühen ja immer wieder gerne den Spruch, dass sie das alles nur für sich selbst veranstalten würden. Ich gestehe hingegen gerne, dass es sich um ein erhebendes Gefühl handelt, wenn man spürt, dass die eigene Musik Menschen anspricht und berührt. Und das erst recht, wenn dies auch auf internationaler Ebene geschieht. Zumindest scheint die schwarze Subkultur in dieser Hinsicht zu funktionieren, derweil sich Musik aus Deutschland nach wie vor nicht allzu einfach exportieren lässt. Doch wir erhalten dieser Tage zum Beispiel erstaunlich viel Feedback aus Peru. Auf eine EP, die hier im beschaulichen Köln zusammengeschustert wurde (lacht).“

Holygram (holygram.band)

Holygram (holygram.band)

amusio: „Speziell Mexiko und Peru erweisen sich in den letzten Jahren als ein hochgradig veritables Pflaster für Szenebands. Da eröffnen sich jede Menge Perspektiven, auch zum Touren…“

Patrick Blümel: „Soll man nicht meinen, doch so kann man sich täuschen. Sonne und Hitze begünstigen offenbar eine dem Düsteren zugeneigte Mentalität. So auch in Spanien oder Portugal. Von dort liegt uns ein Angebot vor. Oder auch zuvor isolierte Länder, wie etwa in Osteuropa, scheinen das Schwarze aufzusaugen wie ein trockener Schwamm.“

amusio: „Es herrscht dort halt nach wie vor Verknappung, Unterversorgung. Statt jener Inflation an Musik, die es hierzulande schier unmöglich macht, als Newcomer überhaupt wahrgenommen zu werden…“

Patrick Blümel: „Aber wir spielen sicher auch nach wie vor gerne in Deutschland. Vielleicht können wir, Stichwort Maifeld Derby, sogar dazu beitragen, dass sich auch der deutsche Mainstream weiteren Genres öffnet. So wie etwa in Frankreich, wo zahlreiche Strömungen selbst das dortige Formatradio immer wieder unterwandern. In Deutschland scheint auf diesem Niveau nur Schlager, Normrock oder Hip Hop zu funktionieren. Subkulturen spielen kaum eine Rolle, das finde ich schade.“

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