XIII. Amphi Festival 2017 (2)

Immer wieder Sonntags …

 

Massive Ego (Stephan Wolf)

Massive Ego (Stephan Wolf)

kommt die Erinnerung daran, dass die Schwarze Szene nicht aus dem Nichts entstanden ist, schon gegen 11 Uhr früh in die Puschen. Massive Ego, allen voran Sänger Marc Massive, hetzen ihr Publikum durch einen Parforceritt erster Güte. Titel sprechen Bände: I Idolize You. Beautiful Suicide. Die Schönheit, sie höret nimmer auf. Marc sollte sich als Jesus-Darsteller versuchen.

Die religiös getünchte Verve mag sowohl der Tageszeit als auch dem (Rhein-) Pegel geschuldet sein. Während Stahlmann, Das Ich, Hocico und Combichrist auf der Main Stage dem Affen im Menschen ordentlich Zucker in den Hintern blasen, The Other mal eben zeigen, warum das Theater „Theater“ heißt, pumpt Rummelsnuff seinen Asbach auf. Wässrige Dauerwellen in Kiellinie und fleischige Stiersaftnacken passen ausgezeichnet ins Tableau, während Sonntagsspaziergänger nicht mehr aus dem Staunen herauskommen.

Vom Fluss aus zur See: Rummelsnuff (Stephan Wolf)

Vom Fluss aus zur See: Rummelsnuff (Stephan Wolf)

Wären sie doch nur bei Merciful Nuns im Theater gewesen. Dann hätten sie sich erst recht in einer Parallelwelt gewähnt, aus der es kein Entrinnen gibt. Artaud Seth hat lange gebraucht, seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. An diesem Nachmittag übertrifft er sie – und sich selbst. Intensiv wie ein Heidegger-Seminar unter Kosmologen – und ohne das leiseste Aufflackern eines Augenzwinkerns. Grand Guignol für die Synapsen.

Wenig später gelingt es Orange Sector und Winterkälte auf dem Schiff, Ordo Rosarius Equilibrio und Letzte Instanz im Theater sowie Combichrist und Apoptygma Berzerk auf der Hauptbühne die Verhältnisse wieder einigermaßen zurecht zu rücken. Ja, man kann sich zu dieser Welt so oder so verhalten. Doch heute wollen wir sie umarmen, trotz allem. Singt mit, sauft und fummelt: Schon morgen mag der letzte Headliner verklungen, jeder Frühling im Geiste vergreist sein. Doch – wohin mit der Freude?!

Abflug: Merciful Nuns (Stephan Wolf)

Abflug: Merciful Nuns (Stephan Wolf)

Zu Eisbrecher? Eine sichere Wahl! Zum Daniel Myer Projekt? Eher was für Kenner. Oder zu Kirlian Camera? Bedenklich, lässt doch das Konsortium um Angelo Bergamini und Elena Alice Fossi sämtliche Ecken und Kanten vermissen, die an ihm doch so lieb gewonnen wurden. Über Jahrzehnte hinweg. Selbst „Eclipse“ hätte man sich im Zuge der überzogen austarierten Bravheit sparen können. Die Balaklavas ohnehin. Vermutlich Avis von oben: In einer Welt des allgegenwärtigen Terrors verlieren Kirlian Camera ihre Unschuld. Traurig, wahr, – aber nicht weiter schlimm. Wir kommen 2018 alle wieder. Versprochen. Und großer Dank an alle, die dieses wunderbare Festival ermöglicht haben. Danke, Danke, Danke.

 

Zum Anschluss zu brav: Kirlian Camera (Stephan Wolf)

Zum Anschluss zu brav: Kirlian Camera (Stephan Wolf)

 

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