Interview mit Rob DeVille (Enemy I)

„Handschrift und Genre schließen sich nicht aus“

 

Rob DeVille, Enemy I (enemyi.com)

Rob DeVille, Enemy I (enemyi.com)

Rund acht Wochen sind nach der Veröffentlichung eines der außergewöhnlichsten Alben der Metal-Geschichte vergangen. Für den hauptverantwortlichen Urheber Rob DeVille Anlass genug, eine erste Bilanz zu ziehen. In deren Verlauf der Berliner sogar eine Remix-Fortsetzung von Dysphoria (Recordjet/Soulfood) ankündigt. Und auf Dreadpen hinweist, seinem zweiten Steckenpferd, auf dem er auch zukünftig weiter Galopp zu reiten gedenkt. Enemy I hin – oder her.

amusio: „Hi Rob, Dysphoria erweist sich auch nach exzessivem Anhören als ein immer wieder überraschendes, anspruchsvolles, mitunter gar sperriges Album, dessen Qualität sich nicht allein auf seine stilistische Vielfalt reduzieren lässt. Wie ergeht es dir mittlerweile mit deinem Werk?“

Rob DeVille: „Gerade im deutschsprachigen Raum wird – im Hinblick auf die im englischen Idiom verfasste Lyrik des Albums – leider eher nur hin- als tatsächlich zugehört. Nicht jeder Geneigte verspürt auch die Lust zur Mühe, sich eingehender mit den Texten des Albums – die mir nach wie vor sehr wichtig sind – auseinanderzusetzen. Doch – davon war auszugehen. Nun denn. So lange die Musik gefällt und auffällt, habe ich keinen Grund, mich zu beschweren. Dass die Resonanz auf internationalem Parcours substantieller ausfällt, liegt wohl in der Natur der Sache.“

amusio: „Auch eine Frage der Überforderung?“

Rob DeVille: „Sowohl als auch, vermute ich mal. Die Reaktionen auf Dysphoria waren überwiegend positiv, wenn insgesamt auch querbeet. Es ist klar, dass ich negative Kritiken auf eine Überforderung des Rezensenten zurückführe. Und mir nicht als Verdienst ankreide.“

amusio: „Auffällig ist, wie sich die Metal-Schreiberlinge oftmals vergeblich daran abarbeiten, Enemy I zu vergleichen. Etwa – wie in unserem Falle – mit Type O Negative. Oder gar, anderenfalls, mit Guns N’ Roses.“

Rob DeVille: „Oder sogar mit Fear Factory (lacht)! Diese Hilflosigkeit könnte mich ehren, doch es besteht kein Anlass zur Arroganz. Ich bin einfach nur überrascht. Fehlen noch die Ärzte oder die Toten Hosen, dann wäre das Resonanzchaos perfekt.“

Enemy I: "Dysphoria" (Recordjet/Soulfood)

Enemy I: “Dysphoria” (Recordjet/Soulfood)

amusio: „Wer über eine Stunde der Wendungen, Irrungen und Wirrungen anbietet, ohne an Konsistenz einzubüßen, sollte sich nicht wundern, wenn Meinungen auseinandergehen. Handwerklich kann man dir und euch hingegen keinerlei Vorwurf unterjubeln…“

Rob DeVille: „Ich vermute mal, dass die Irritation, die Dysphoria offenbar auszulösen vermag, mit meiner eigenen Launenhaftigkeit koinzidiert. Das Album ist halt über einen längeren Zeitraum entstanden. Und die sich bei mir tagtäglich – oder eher allmonatlich – neu konfigurierenden Einflüsse, nun – sie haben Eingang gefunden. Phasen wechseln sich ab: Soilwork, The Cure, IAMX und – hastenichtgesehen. Jede Phase färbt ab.“

amusio: „Wo bleibt da das Schüren eines roten Fadens?“

Rob DeVille: „Ich denke, allein die Tatsache, dass sämtliche Tracks aus meiner Feder stammen, gewährleistet Kontinuität. Handschrift und Genre schließen sich nicht aus. Dass ich etwa nicht zu den mental glücklich durchs Leben Gondelnden gehöre, erschließt sich sicher nicht allein über die Texte. Sondern auch über die Harmonien. Die Tonart. Die bisweilen wütend enttäuschte Konsequenz. Dur-Akkorde aneinander zu reihen, überlasse ich denjenigen, die Käsigkeit können. Insofern ist Dysphoria auch ein Statement hinsichtlich dessen, was ich nicht kann.“

amusio: „Das Kontrapunktische …“

Rob DeVille: „… ergibt sich bei mir nicht. Es spiegelt sich nur wider, im thematisch zweigeteilten Album-Konzept. Da gibt es Tracks, die direkt auf den Bandnamen anspielen. Und andere, die von Beziehungsproblemen handeln. Was irgendwie, irgendwann, irgendwo kaum noch von dem Feind in mir zu unterscheiden ist. Dysphoria ist Rob DeVille pur, samt seiner Probleme, sich dem Gang und Gäbe der Beziehungen anzupassen.“

Enemy I (enemyi.com)

Enemy I (enemyi.com)

amusio: „Und somit auch eine Angelegenheit, die sich nicht hinter jenen Floskeln versteckt, die Genre-Musik – von Metal bis Hip Hop – so gerne bedient…“

Rob DeVille: „Ja, es handelt sich bei Dysphoria um das Dokument der Zweischneidigkeit. Um einen sich intern überlappend bedingenden Janus, der zur Schizophrenie führen könnte. Aber nicht zwangsläufig muss.“

amusio: „Du lässt dir bei der jeweiligen Ausgestaltung ja auch Zeit, bis zu acht Minuten pro Song. Bist du vielleicht der Begründer von einer Spielart, die sich Singer/Songwriter-Metal schimpfen ließe?“

Rob DeVille (lacht): Möglicherweise, aber nur so lange aus dieser Etikettierung kein weiteres Klischee entsteht. Die Umgehung jeglichen Blattes vor dem Munde (…) war von Anfang an das Ziel: Enemy I. Und nicht Enemy One. Der wiederholt an mich herangetragene Doppelsinn war nicht beabsichtigt, da kann er noch so viel oder so wenig Sinn ergeben. Ich bin immer ehrlich und direkt. Zu meinem eigenen Leidwesen.“

amusio: „Ist der Aufschlag verpufft? Oder wird Enemy I zum Grower?“

Rob DeVille: „Die Stream-Intensität nimmt merklich ab, die Summe an Facebook-Likes hingegen zu. Um es weiter am Laufen zu halten, brauchen wir mehr Konzerte. Und ein neues Video, das wir an drei Tagen Ende August zu The Cage drehen werden…“ 

amusio: „Das klingt nach Aufwand…“

Rob DeVille: „Das ist gewollt. Hologramme vor dem Burgfräulein. Das von Maja Sikora dargestellt wird, die jüngst noch als Mitglied der Addams Familiy auf Musical-Bühnen zu bewundern war.“

amusio: „Wer führt Regie?“

Rob DeVille (enemyi.com)

Rob DeVille (enemyi.com)

Rob DeVille: „Neben mir Francis Peter Kiefer an der Kamera, als Produzent. Ein Künstler, der ansonsten mit Hip Hop und R&B gut unterwegs ist, privat aber lieber Metal hört. Und sich an uns, erstmals in diesem Metier, auch mal versuchen will. Es wird sicher groß und gut.“

amusio: „Und live?“

Rob DeVille: „Es ist noch nicht absolut druckreif, aber es ist davon auszugehen, dass Enemy I alsbald im Rahmen einer groß angelegten Event-Reihe aufschlagen wird. Da erweist sich unsere Idee, als Bindeglied zwischen einem derben Hauptact und einem eher weich bemusterten Auftakt zu reüssieren, als geradezu ideal. Doch auch einer Clubtour sehen wir zuversichtlich entgegen. Vielleicht wird auch die geplante Remix-EP dazu beitragen, dass dann nicht nur die werten Kuttenträger geneigt sind, sich auf Enemy I einzulassen.“

amusio: „Und Dreadpen läuft parallel weiter?“

Rob DeVille: „Ja, da bin ich nach wie vor emsig. Auch wenn die internationale Zusammensetzung nicht immer eine Kontinuität zulässt, die ich als Musiker benötige, um den Pegel hoch zu halten, wird sich da mit Sicherheit noch so einiges tun. Insofern kann ich mich glücklich schätzen, der Eingleisigkeit zu entgehen.“

Twinsight:
youtube.com/watch?v=6M03UscHX1M

enemyi.com
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