Neue Aufnahmen

Gitarren in Dialogen

Dieser Tage lohnt es sich einen Blick zurück auf erst kürzlich veröffentlichte Einspielungen von Gitarrenkonzerten aus dem Repertoire des 20. und 21. Jahrhunderts zu werfen. Daneben gibt es natürlich auch immer wieder Neuaufnahmen bekannter Werke aus dem Barock und der Klassik – wie jene gelungene Zusammenstellung von Vivaldis und Giulianis Konzerten durch Eduardo Fernández mit dem English Chamber Orchestra unter George Malcolm, die nach 2011 nochmals Anfang 2016 aufgelegt wurde.

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Im Gitarrenkonzert von Robert Beaser flackern Flamenco-Anspielungen auf dem Boden einer sehr eigenständigen Schreibweise auf (B06ZZG9NXQ, Linn/Naxos Records, Juni 2017).

Im Gitarrenkonzert von Robert Beaser schwingen Flamenco-Anspielungen auf dem Boden einer sehr eigenständigen Schreibweise mit (B06ZZG9NXQ, Linn/Naxos Records, Juni 2017).

Außergewöhnlich ist Robert Beasers Gitarrenkonzert, das er für den Virtuosen Eliot Fisk schrieb. Der Komponist und Perkussionist aus Massachusetts, der einst die Richtung der “New Tonality” einschlug, lenkte zwischen 1978 und 1990 die Geschicke des progressiven Kammerensembles Modern Elements an der 92sten Straße New Yorks mit. Die sechs thematisch höchst differenten Teile seines Konzerts werden stilistisch durch Flamenco-Artistik, aber auch von einer persönlichen gitarristischen Idiomatik zusammengehalten. Ereignisse ebenso wie Formen und das Spiel mit ihnen bestimmen die Sätze inhaltlich:

Robert Beaser (geb. 1954) brachte in den 1990er Jahren die Klänge lateinamerikanischer Festivals bis in die Carnegie Hall und verschaffte ihnen ein neues Publikum (Boston, Figalstate, CC-Liz.).

Robert Beaser (geb. 1954) brachte in den 1990er Jahren die Klänge lateinamerikanischer Festivals bis in die Carnegie Hall und verschaffte ihnen ein neues Publikum (Boston, Fugalstate, 2017, CC-Liz.).

Phrygian pick stellt eine Allusion auf den entsprechend benannten mittelalterlichen Modus dar, das Tombeau meint ursprünglich einen Nachruf anlässlich eines Begräbnisses, aber auch einen instrumental verselbstständigten Satz aus der Zeit Ludwig XIV. Die melancholische Färbung des an und für sich eher vital-expressiven Werks setzt sich fort in Sätzen, die zur Besinnung aufrufen: Evening Prayer und Ground O zum Gedenken an den 11. September 2001.

Die nicht eben kurze Palette der Gitarrenstücke mit Orchester von Federico Morreno Torroba wird nach der Aufnahme der gewagten Harmonien des Concierto en Flamenco und der Suite castellana mit Pepe Romero und Vicente Coves zusammen mit dem Philharmonischen Orchester von Málaga 2017 mit der Homenaje a la seguidilla, Tonada concertante und dem Concierto de Castilla – dank des Einsatzes des Extremadura Symphony Orchestra unter Manuel Coves – fortgeführt.

Leo Brouwers Concierto de Benicássim zieht auf dieser CD die Hörer in den Bann (B01C5PTVS4, Naxos 2016).

Leo Brouwers Concierto de Benicàssim zieht auf dieser CD die Hörer in den Bann (B01C5PTVS4, Naxos 2016).

Das mittel- und lateinamerikanische Repertoire der “Moderne” ist gleich zweifach vertreten: Einmal zupft und schrubbt Miguel Trápaga mit der Königlichen Philharmonia Galiziens Leo Brouwers “kubanisches” Concierto de Benicàssim von 2002 (wobei auf derselben CD auch ein spanischer, nämlich Rodrigos Concierto de Aranjuez und ein französischer “Klassiker” von Frank Martin vertreten sind), dann mit der überraschenden Aufnahme von Radamés Gnattalis witzigen, verspielten und farbenfrohen 4 Concertinos für Gitarre und Orchester, die zwischen 1951 und 1967 entstanden.

Mit Kraft, Klarheit und Schwung interpretiert: Radamés Gnattalis '4 Concertinos' mit Marco Salcito (B06XY626DT, Edel/Brilliant 2017)

Mit Kraft, Klarheit und Schwung interpretiert: Radamés Gnattalis ’4 Concertinos’ mit Marco Salcito (B06XY626DT, Edel/Brilliant 2017)

Für die überseeischen Konzerstücke begeisterte sich das Orchestra Sinfónica Abruzzese mit seinem Leiter Marcello Bufalini. Als Solist tritt hier mit großer Überzeugungskraft Marco Salcito auf, der nahezu weltweit mit der Gitarre unterwegs ist und neben dem Giuliani-Preis aus Bari auch den Sor-Preis der Stadt Rom erhielt. Sein besonderer Schwerpunkt liegt auf Gegenwartsmusik, hier arbeitete er schon mit den Filmmusikkomponisten Luis Enríquez Bacalov und Ennio Morricone zusammen.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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