Kammerphilharmoniker rätseln mit Klangreden über große Fragen

Trotz Vorboten lieferte der Frühling am 9. April keinen Grund für eine größere Feier – doch Albrecht Mayer und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Leitung von Peter Ruzicka blieben dadurch unbeeindruckt und begeisterten in der Laieszhalle. Ruzicka dirigierte auch die von ihm komponierte »Aulodie« und zeigte zusammen mit ausdrucksstarkem Solisten und Orchester, warum es für ihn eine „Klangrede“ ist. Das Aulos, antiker Vorläufer der Oboe, wurde vor allem bei Festen und Ritualen gespielt. Hat fast schon „Ritual-Charakter”: wie das Hamburger Publikum das Bremer Orchester umjubelte, das mit durchsichtigem und sehr kraftvollem Klang beeindruckte.

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Wagners Familienidyll: „Schlaf, Kindlein, Schlaf“

Im Siegfried-Idyll von Richard Wagner, einem Geburtstagsgeschenk an seine Frau Cosima, sieht diese „unser ganzes Leben darin verwoben“ – und ihr ist das Stück zu intim, um es aufzuführen. Geldnöte sollen Wagner schließlich zur Veröffentlichung gebracht haben. So ist im Wagner-Jahr zu hören, wie er unter anderem die Geburt seines Sohnes Siegfried musikalisch feiert und mit Vaterglück ein Kinderlied zitiert – doch dies alles in einer Musiksprache, die vieles von dem nicht preisgibt, was in ihr an „geheimen Botschaften“ zwischen den Noten steht.

Dabei spielen die Bremer sehr durchsichtig, setzen die einzelnen Stimmen klar und prägnant voneinander ab und geben so dem Publikum die größtmögliche Chance, um in die Zwischenräume zu hören. Vom ersten Ton an zeigen sie eindrucksvoll ihre besondere Qualität: auch mit rund 25 Streichern auf der Bühne erzeugen sie in dieser „symphonischen Dichtung“ den besonders feinen Klang von Kammermusik.

Romanhafte »Aulodie« und gesangliches Adagio

„Die Musik scheint vielfach innezuhalten, auf sich selbst zurück zu hören, auf früher Erklungenes zu verweisen.“ Peter Ruzicka beschreibt und dirigiert seine Komposition »Aulodie« dementsprechend stark reflektierend und lässt sie nur an wenigen Stellen geradezu ekstatisch ausbrechen – mit dem Aulos wurde zu Satyrspiele aufgespielt, die bis in die Raserei führten.

Gefeierter Star des Konzertes: der Oboist Albrecht Mayer. Foto: Kasskara

Gefeierter Star des Konzertes: Albrecht Mayer. Foto: Kasskara

Virtuos schraubt sich Albrecht Mayer mit seinem schnörkellosen Oboenspiel in einen „Höhenrausch“ und schwingt sich so über das mit hellen, flirrenden Klängen „zwitschernde“ Orchester. Der Komponist hinterfragt dabei gleichzeitig die reine Virtuosität, denn diese kann „lediglich als Attitüde, als etwas Scheinhaftes“ auftreten. Wichtig ist ihm der hohe Wert der Stille und des Zuhörens.

Immer wieder leitet die Harfe ohne jegliche Begleitung mit in einfachem Rhythmus wiederholten schrillen Tönen von einer Phrase in die nächste. Größere Wechsel von einer „Szene“ in die nächste spielt das Orchester mit einem gleich anfangs vorgestellten und häufig wiederkehrenden Flirren. Die Oboe tritt in diesen sehr kontrastreichen Abschnitten in eine intensive „Klangrede“ mit dem Orchester.

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Über Matthias Berg

"Startphase" mit Praktikum bei der taz und Studium in Hamburg & Bonn (Geographie & Journalistik). Arbeitet freiberuflich in Kiel und kreuzt dabei leidenschaftlich gerne mit Cello oder Segelschiff über Musik- & Meereswellen.

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