Töne aus den Staaten: New York, Massachusetts

Traumpräsident und “wundervolle Geschöpfe”

Den idealen Staatspräsidenten kann sich niemand stricken, also bleibt er eine Traumgestalt aus den Werkstätten multimedialer Welten. Dieser Einsicht folgte vor einigen Jahren die ehemalige Jazzmusikerin Jennifer Griffith anlässlich der Reihe VOX 2004 an der New York City Opera und schrieb die Kammeroper Dream President. Deren Bühnenfassung gelangte 2008 unter Christopher Alden zur Uraufführung. Die Anspielung auf die Clinton-Ära liegt natürlich nahe, weil sie mit The Clinton Dreams im Rahmen ihres Gesamtwerks zwischen 2001 und 2003 ein dreiteiliges Kammermusikstück für Sopran und neun Instrumentalisten komponiert hatte; Clinton’s Harem von 2002 bildet hier den mittleren Teil und sieht als Besetzung Bassklarinette, Violine, Cello, Klavier und Schlagzeug vor. Bei Dream President handelt es sich um ihr zweites Bühnenwerk nach der im selben Jahr vom Stapel gelassenen Kurzoper The X-Dresser.

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'Who is Miranda?' fragt Jennifer Griffith in ihrem teils elektroakustischen, teils mit Erzählstimme versehenen Stück von 2009 mit Bezug auf Shakespeares Figur im Schauspiel 'The Tempest' (John William Waterhouse: Miranda - The Tempest, 1916, Ölgemälde, Sotheby's London, 21.11.1989, p.d.).

‘Who is Miranda?’ fragt Jennifer Griffith in ihrem teils elektroakustischen, teils mit Erzählstimme versehenen Stück von 2009 mit Bezug auf Shakespeares Figur im Schauspiel ‘The Tempest’ (John William Waterhouse: Miranda – The Tempest, 1916, Ölgemälde, Sotheby’s London, 21.11.1989, p.d.).

Die Wahl der Instrumente ebenso wie mancher Leitideen weist per se auf die Grenzgängerin zwischen Jazz und Klassik hin – oder auf später einbezogene “Relikte” aus ihrer Anfangszeit als Jazzpianistin und -sängerin. Denn sie wandte sich zum Zweck ihres Studiums der westlichen Kunstmusik zu und absolvierte einen Bachelor in Klavierperformance; eine Graduierung folgte mit dem Kompositionsstudium am Smith College in Northampton, in dem als reguläre Studenten nur Frauen zugelassen sind – von denen nicht nur einige, sondern etliche eine äußerst erfolgreiche Laufbahn einschlugen.

Griffiths Promotion bei dem renommierten, aus San Francisco stammenden Komponisten David Del Tredici folgte und bildete unter anderem die Plattform für ihren Beruf als Hochschuldozentin an der Hofstra University auf Long Island seit 2010. Einen beinahe noch größeren Erfolg als 2008 landete Jennifer Griffith 2011 durch die New Yorker Uraufführung ihres zweiten größeren Musikdramas Beautiful Creatures auf der Basis von Dominic Orlandos Libretto. In der Oper geht es um die grüne Aktivistin Eileen, die auf einer Party im Anschluss an eine Öko-Konferenz mit den Realitäten in Person eines Filmstars, eines Öko-Terroristen und eines Firmenmanagers mit grünem Mantel konfrontiert wird und sich dabei der Brüchigkeit ihrer Ideale bewusst wird.

Seit 2010 ist die Komponistin und Pianistin Jennifer Griffith an der Hofstra University als Musikdozentin tätig (Margiotta Hall, Laxblue, 1.8.2012, CC-Liz.).

Seit 2010 ist die Komponistin und Pianistin Jennifer Griffith an der Hofstra University als Musikdozentin tätig (Margiotta Hall, Laxblue, 1.8.2012, CC-Liz.).

Neben einem Bläserquintett komponierte Griffith, die im Falle ihrer Vokalmusik weder in politischer, gesellschaftlicher noch ökologischer Hinsicht ein Blatt vor den Mund nimmt, weitere Stücke für kleinere Besetzungen in sehr individueller Zusammensetzung, 2003 Hang-Up, On the Stairs und Pandora’s Hope, letzteres für zwei Gitarren, Flöte, Violine, Oboe und Violoncello. Ihr Orchesterwerk A Short Drive aus demselben Jahr dauert, wie schon der Titel witzig suggeriert, nur ganze drei Minuten. Ein größeres Chorwerk neben etlichen Liedern, das Kammeroratorium The Reed (2010), fiel demgegenüber deutlich umfangreicher aus. Mit Who is Miranda? auf Shakespeares The Tempest trug sie 2009 auch zu den vokal-elektroakustischen Genres bei.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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