Tongewaltiges Bruckner-”Mysterium” zum Fest des Bonner Giganten

Beim Bonner Beethovenfest werden die alten Meister gespielt und hoch verehrt – doch zum Thema Verwandlungen werden daneben auch moderne Kompositionen und neu entstandene Werke aufgeführt. Die Staatskapelle Dresden mit Chefdirigent Christian Thielemann eröffnete am 11. April im Sonderkonzert mit Bruckners 8. Symphonie und spielte tongewaltig eine “Krone der Musik des 19. Jahrhunderts”. Sie wurden mit „Bravo“-Rufen vom Publikum gefeiert. Doch warum zog es fast nur „alte Meister“ in die Beethovenhalle und kaum jüngeres Publikum interessierte sich für die „Schöpfung eines Giganten“, wie Hugo Wolf die Symphonie bezeichnete – und damit auch in direkte Verbindung zu Beethoven und dessen gigantisches Schaffen stellte?

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Mysteriöser Anfang und schallendes Dröhnen

Mit leisen Tönen beginnt dies rund 90 minütige Werk und Thielemann lässt das Orchester mysteriös spielen – bis bereits nach wenigen Augenblicken mit schallendem Dröhnen dieser zarte Anfang durchbrochen wird.

Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Thielemann am Pult der Staatskapelle Dresden    © Matthias Creutziger

Immer wieder steigern sich die Musiker von leisen Klängen mit fast brüllendem Crescendo immer weiter und münden geradezu in einem “Inferno”. Dabei spielt das Orchester seine ganze Stärke aus und zeigt, was eine „große Besetzung“ alles leisten kann, bei der acht Kontrabässe das „Ton-Fundament“ legen. Und absolut ungewöhnlich für Symphonien: gleich drei Harfen verzaubern mit ihrem feinen Spiel.

Zwar könnten die vielen Kontrabässe in der etwas dumpferen Akustik der Beethovenhalle an manchen Stellen ein noch etwas „satteres“ Fundament legen – doch Bruckner hat dies sicherlich in seine häufig überarbeitete Symphonie komponiert um im doppelten Sinn zu erreichen, was ihm wichtig ist: „Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.“

Die drängende, immer wieder mit wuchtigen Gesten ausbrechende Musik zeigt zumindest deutlich, das Bruckner nicht bis zu seinem Lebensende „verweilen“ wollte. Doch er beschäftigte sich in seiner letzten vollendeten Symphonie intensiv mit dem Tod und so schmettert im ersten Satz ein Fortissimo lautstark eine „Todesverkündigung“ heraus. Und die Stimmung am Ende des ersten Satzes beschrieb er mit diesem Bild: „Dös is so, wie wenn einer im Sterben liegt und gegenüber hängt die Uhr, die, während sein Leben zu Ende geht, immer gleichmäßig fortschlägt: tik, tak, tik, tak …“

Scherzo als zweiter Satz: „Der deutsche Michel träumt ins Land hinaus“

Lebensfroh, zart und von stark verändertem Charakter berührt der zweite Satz, in dem Bruckner seine Steigerungen selber als „Himmelsflüge“ bezeichnete. Welchen Einfluss wird da ein zwanzigjähriges „Mädchen“ gehabt haben, dem Bruckner „tief in die Augen geblickt“ hatte? Auch wenn sie immerhin Fotos ausgetauscht haben sollen – vielleicht sind ein paar düstere Stellen wiederum direkte Auswirkungen, da sich das „Mädchen“ zurückzog, als sie die Heiratsabsichten des über Sechzigjährigen erahnte?

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Über Matthias Berg

"Startphase" mit Praktikum bei der taz und Studium in Hamburg & Bonn (Geographie & Journalistik). Arbeitet freiberuflich in Kiel und kreuzt dabei leidenschaftlich gerne mit Cello oder Segelschiff über Musik- & Meereswellen.

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