Porträts brasilianischer Komponist/inn/en XLI

Mit Carlos Gardel und Duke Ellington

Als wahres Chamäleon der Musik in den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro entpuppte sich um 1930 Anibal Augusto Sardinha. Karriere machte der Banjo-Initiant und spätere brillante Gitarrist allerdings unter dem Künstlernamen Garoto. Schon auf den ersten Stufen der Erfolgsleiter nahm er eine Schallplatte auf, mit der er seine Fertigkeiten im Maxixe-Choro – nämlich dem Titel Bichinho de Queijo – und im Maxixe, dem “brasilianischen Tango”, zusammen mit dem Gitarristen Serelepe unter Beweis stellte.

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'Salão de dança' ("Tanzsaal") im Brasilien um 1900 (Gemälde von F. Ramos, Museu Nacioal de Belas Artes, Brasil. p.d.)

‘Salão de dança’ (“Tanzsaal”) in Brasilien um 1900 (Gemälde von F. Ramos, Museu Nacioal de Belas Artes, Brasil. p.d.)

Reisen innerhalb und außerhalb Brasiliens führten den Musiker nach Engagements in den Casinos von São Paulo zum Bundesstaat Rio Grande do Sul und über die südliche Grenze nach Argentinien, wo er den Tango-Sänger Carlos Gardel begleitete. Konzerte mit dem Geiger Laurindo de Almeída folgten Ende der 1930er Jahre. Inzwischen hatte er sich auch vielfach an anderen Verwandten der Gitarre öffentlich erprobt, etwa am Cavaquinho, an der Mandoline und an der Hawaii-Gitarre.

Bei Black Round Records erschien 2009 eine Sammlun g von Originalaufnahmen mit Garotos (Giatten-)Musik aus den Jahren 1944 bis 1952 (B002MC3XL2).

Bei Black Round Records erschien 2009 eine Sammlun g von Originalaufnahmen mit Garotos (Giatten-)Musik aus den Jahren 1944 bis 1952 (B002MC3XL2).

Von geradezu mythischer Ausstrahlungskraft waren schließlich die hier unmittelbar anschließenden Auftritte mit der portugiesisch-brasilianischen Sängerin Carmen Miranda und der Banda da Lua in den USA. Mit seinem Spiel beeindruckte er das Publikum so, dass sich ihm schon bald die Möglichkeit eröffnete, mit den Jazzgrößen Duke Ellington und Art Tatum gemeinsam auf der Bühne zu spielen. In Europa wäre zur selben Zeit ein solches Engagement eines – übrigens bei keinem Geringeren als Attilio Bernardini – klassisch ausgebildeten Musikers nicht ohne weiteres denkbar gewesen. Garotos Verankerung in der Kunstmusik war neben seiner Virtuosität im Jazz so ausgeprägt, dass ihm Landsmann Radamés Gnattali sein zweites Concertino para Violão e Orquestra de Câmara widmete.

Paulo Bellinati machte sich Ende des 1980er Jahre um die Herausgabe der Werke von Augusto Sardinhas verdient (B0742QGXWW, gsp records 1991).

Paulo Bellinati machte sich Ende des 1980er Jahre um die Herausgabe der Werke von Augusto Sardinhas verdient (B0742QGXWW, gsp records 1991).

Zurück in Brasilien arbeitete Garoto für den staatlichen Rundfunk sowohl als Solist wie auch als Begleiter. 1952 gründete er das Trio Surdina, in dem die Musiker Fafá Lemos und Chiquinho do Acordeom eine maßgebliche Rolle spielten. Mit letzterem schrieb er gemeinsam São Paulo Quatrocentão, das dem Quarteto Centenário de São Paulo zugeeignet war; die Schallplatte wurden millionenfach verkauft.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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