Erkundungen und Zwiegespräche mit Tonband

Hühnerpastete auf dem Kilimanjaro?

Spätestens seit Beginn der 1950er Jahre war das Komponieren mit elektronischen Medien in der gesamten westlichen Welt inklusive Australiens en vogue – ebenso in Kanada. Auf der Welle ritt auch die in Calgary im Bundesstaat Alberta geborene spätere Pianistin und Performancekünstlerin Diana McIntosh mit. Abgesehen davon, dass sie in zahlreichen Konzerten, 2002 zum Beispiel mit einer Tournee in Kenia, einem breite(re)n Publikum die Werke international noch wenig eingeführter Komponisten wie Norma Beecroft, Alexina Louie, Peter Allen und Ann Southam nahebrachte, wurde sie selbst bald zum Markenzeichen origineller und progressiver Tonschöpfungen.

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Diana McIntosh thematisierte in ihren Kompositionen auch ihre persönliche Annäherung an den (Gipfel des) Kilimanjaro - in der Besetzung für Klavier, Schlagzeug und Streichquartett (PIA03355, NASA p.d.).

Diana McIntosh thematisierte in ihren Kompositionen auch ihre persönliche Annäherung an den (Gipfel des) Kilimanjaro kammermusikalisch – 2005 in der Besetzung für Klavier, Schlagzeug und Streichquartett (PIA03355, NASA p.d.).

Bis tiefer ins 21. Jahrhundert hinein mit A rose is a rose (2007) für Klavier und Live-Elektronik und im Grunde bis heute ließ sie das Zwiegespräch instrumentaler oder vokaler Stimmen mit dem Tonband nicht mehr los, nachdem sie an mehreren Universitäten, unter anderem in Aspen bei Adele Marcus, in Toronto bei Michael Colgrass und an der University of Manitoba bei Robert Turner ausgebildet worden war. Die Einbeziehung visueller Medien sowie von Tanz und Theater ins Komponieren war selbst Anfang der 1970er Jahre noch ein relativ junges Phänomen, das Diana McIntosh in sieben Jahren als Kursleiterin am Hochschulinstitut von Winnipeg entwickelte.

Tonband und Live-Elektronik haben ihren festen Platz in McIntoshs Kompositionen (Pixabay, 15.1.2014, Creative Commons Zero).

Tonband und Live-Elektronik haben ihren festen Platz in McIntoshs Kompositionen (Pixabay, 15.1.2014, Creative Commons Zero).

Ähnlich wie die Klangkultur der Aborigines in der Folgezeit Peter Sculthorpe und andere seiner Generation in Australien beschäftigte, wandte man sich in Kanada etwa den Mythen, Erzählungen und der Musik der Inuit zu. Von Chris Hurley, dem Intendanten des Pupentheaters von Manitoba erhielt Diana McIntosh den Auftrag, die Dramatisierung der Kiviuq-Legende zu vertonen.

Radio Canada, Montreal: Für die CBC trat Diana McIntosh häufig als Pianistin mit Programmen kanadischer Komponist/inn/en auf (Atilin, GNU Free Doc. Lic.).

Radio Canada, Montreal: Für die CBC trat Diana McIntosh häufig als Pianistin mit Programmen kanadischer Komponist/inn/en auf (Atilin, GNU Free Doc. Lic.).

Die mehr an Themen als an den Formen selbst orientierte Künstlerin setzte in den 1990er Jahren und darüber hinaus einen weiteren Schwerpunkt ihres Schaffens mit der Erkundung der (wilden) Landschaft, einem zentralen Aspekt des Lebens in ihrer Heimat: Through the Valley: Milgaard (2001) wurde in Kooperation mit dem Winnipeg Symphony Orchestra aufgeführt und sieht in der solistischen Besetzung einen Erzähler und Pianisten vor. Im 1990 entstandenen Solitary Climb spielen sowohl das Klavier als auch eine zum Musikinstrument deklarierte Bergsteigerausrüstung eine Rolle. Auch bei Beryl Markham, Flying West with the Night (1995) handelt es sich um eine Solo-Performance.

Sportler bei einer Klettertour - einem zentralen Aspekt in McIntoshs Werken - bei einer Klettertour in Timur (20.8.2017, Lemba Kera Jawa, CC Liz.)

Sportler bei einer Klettertour – einem zentralen Aspekt in McIntoshs Werken – bei einer Klettertour in Timur (Lasthib, 20.8.2017, Lemba Kera Jawa, CC Liz.)

Es ist weiter nicht verwunderlich, dass Diana McIntosh in erster Linie für “ihr” Klavier, überwiegend aber als Partner anderer Instrumente, schreibt. Glorified Chicken Mousse (1984) kombiniert den Klavierpart mit Sprecher und Tonband, Tay Ploop (1986) sieht neben präpariertem Tonband Schlagzeug vor, dasselbe gilt für Shadowed Voices (1988) und Murkings (1993). Klettern und Extrem-Bergsteigen in ursprünglicher Natur werden außerdem in From Wapta Ice (2003), Approaching Kilimanjaro (2005) und In the beginning, mountains (2005) thematisiert. Zwischenzeitlich realisierte die überdurchschnittlich häufig live im Konzert zu erlebende Komponistin witzig anmutende Projekte: neben der Gerühmten Hühnerpastete (wo aß sie diese – in luftiger Höhe?) Four or Five For Four or Five für die ungewöhnliche Besetzung mit Flöte, Oboe, Fagott, Cembalo und Schlagzeug (1984) und das nicht nur rückblickend selbstironisch gemeinte Kammermusikstück That Damned Elusive Muse of Mine (2004).

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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