Sean Derrick Cooper Marquardt

Alles – für den Moment

Die Angst geht um: Nosferatu-Screening mit Sean Derrick Cooper Marquardt und dem S&M Accidential Orchestra, in der Kölner Traumathek (Bianca Heukeroth)

Die Angst geht um: Nosferatu-Screening mit Sean Derrick Cooper Marquardt und dem S&M Accidential Orchestra, in der Kölner Traumathek (Bianca Heukeroth)

Der aus Chicago stammende und inzwischen überwiegend in Berlin oder Köln ansässige Sean Derrick Cooper Marquardt gehört zu den profiliertesten Noise / Improv- Künstlern unserer an einem Mangel an wahrhaft quer – und eben nicht nur „queer“ – denkenden Geistern darbenden Epoche. Wie es sich gehört, hat er in den vergangenen zwei Dezennien hunderte Projekte gestemmt, die obschon auch als Konserve verfügbar, dem jeweils gegebenen Moment huldigten. In kreativen Konstellationen. So wie zuletzt in der Traumathek zu Köln, wo er gemeinsam mit dem S&M Accidental Orchestra den Murnau-Nosferatu – ohne vorab großartig zu proben – großartig vertonte.

Er wolle zukünftig noch intensiver die Kombination aus kanonisiertem Filmbild und frischem Live-Ton verquicken, lässt Sean Derrick Cooper Marquardt einen Blick in seine Karten zu, die er in besagtem Metier bereits vielfach ausspielte (weitere Recherche gerne angeraten; die Fülle an Projekten, die mit ihm zusammen- oder von ihm abhängen, erweist sich als abendfüllend). Als nächstes schwebt ihm ein musikalisch untermauertes Screening von Saló, den 120 Tagen von Sodom von Pasolini vor.

Kurze Pause: Sean Derrick Cooper Marquardt (links) und Ensemble (Bianca Heukeroth)

Kurze Pause: Sean Derrick Cooper Marquardt (links) und Ensemble (Bianca Heukeroth)

Und das ergäbe – auch im Rückschluss auf die zuletzt in Köln gebotene Performance mit dem S&M Accidental Orchestra (bestehend aus gleichermaßen versierten wie etablierten Szenegrößen) – Sinn. So wie Murnau mit dem Grafen Orlok (Max Schreck) als vielleicht erster Cineast in einer Figur gesellschaftliche Angstpsychosen kaprizieren konnte, war es an Pasolini, den Faschismus als Folge dieser Fehlleitung fast ans (eigene) Ende zu denken. Eine Art gefundenes Fressen für Sean Derrick Cooper Marquardt, der indes nicht ausschließt, die Session zu Köln eventuell auch in Berlin erneut angehen zu wollen.

Von einer erneuten Aufführung kann dann – im strengen Sinne – allerdings nicht die Rede sein. Es wird – mit Sicherheit – wieder anders werden, spannend bleiben. Denn es geht ihm und uns um den Moment. Dem einzigen Modus der Magie. Ohne billige Tricks.

facebook.com/seanderrickcooper.marquard
seanderrickcoopermarquardt.bandcamp.com
traumathek.de

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