Pfade durch die Musiklandschaft Australien XLVII

Wachträume: Die stillen Momente der Natur

Blüte, miteinander sprechende Bäume, ein grüner Nachmittag, tanzender Regen, Sonnenaufgang oder aufkommender Schneefall thematisieren stumme oder ruhige Momente der Naturbetrachtung und assoziieren nicht unmittelbar musikalische Klänge, geben eher Anlass zum Hinaushören in die Stille. Atempausen in unterschiedlichen Klangkonfigurationen und mit unregelmäßigen Längen spielen daher in der überwiegend instrumentalen Kammermusik von Katherine Rawlings eine wichtige Rolle. Nur gelegentlich findet sich in ihren seit der Wende zum 21. Jahrhundert entstandenen Kompositionen ein anderer Ton, etwa in The fairy dance (2014) für Glockenspiel und Vibraphon, in Anthea’s Garden Project oder in dem Stück Celebration Song (2011) für Solovioline.

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Die großen Orchester von Sydney, Melbourne und Brisbane widmeten sich bereits dem Werk der Komponistin Katherine Rawlings (im Bild: Sydney University Symphony  Orchestra, Jason James, 23.8.2014, CC-Liz.).

Die großen Orchester von Sydney, Melbourne und Brisbane widmeten sich bereits dem Werk der Komponistin Katherine Rawlings (im Bild: Sydney University Symphony Orchestra, Jason James, 23.8.2014, CC-Liz.).

Gänzlich andersartigen Motiven folgen das frühe Streichquartett Setting Sail aus dem Jahr 1999, das möglicherweise die Anfänge “freien” Komponierens markiert, das Klavierquintett Mirror mirror (2005), das zu einer Oktett-Version für Klavier, vier Geigen, zwei Bratschen und Violoncello erweitert wurde und das zunächst mit dunklem Timbre intonierte, auf zwischenmenschliche Beziehungen verweisende Orchesterstück Remembering kindness.

Die australische Komponistin Katherine Rawlings (Australian Music Centre)

Die australische Komponistin Katherine Rawlings (Australian Music Centre)

Dem Aspekt des Vergehens auch in der Natur widmen sich hingegen Werke wie Wilting not dying für Cello (2003) sowie die Orchesterstücke Connected division von 2006 und Passing. Aus dem kontemplativen Rahmen fallen das für Tasteninstrument, Perkussion, Streich- und Holzblasinstrument vorgesehene Clown puppet (2003) und das drei Jahre zuvor geschriebene Streichtrio The Modern Prometheus. “Wachträumen”, Lucid Dreaming, ist der Titel von Rawlings’ CD aus dem Jahr 2006, die demgegenüber ihre schwerpunktmäßige Ausrichtung an der klanglichen Kontemplation stiller Natur spiegelt und im übrigen beim Australian Music Centre erhältlich ist.

"Feentanz" nannte Katherine Rawlings eine teils von der Natur, teils von populärem Erzählgut inspirierte Komposition (William Blake: Oberon, Titania und Puck im Reigen mit Feen, inspiriert von Shakespeares 'Sommernachtstraum', 1786, Tate Britain, US p.d.).

“Feentanz” nannte Katherine Rawlings eine teils von der Natur, teils von populärem Erzählgut inspirierte Komposition (William Blake: Oberon, Titania und Puck im Reigen mit Feen, inspiriert von Shakespeares ‘Sommernachtstraum’, 1786, Tate Britain, US p.d.).

 

Am Konservatorium von Melbourne hatte Katherine Rawlings Violine, Klavier und dann auch Komposition studiert, wobei sie überrascht war angesichts der (ungeahnten) neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich ihr damit eröffneten. Sie folgte mit großem Ehrgeiz dem eingeschlagenen Weg weiter und schloss in Sydney bei Tarumi Narushima und Mary Finsterer mit dem Master ab, belegte danach aber noch Kurse unter anderem bei Katy Abbott. Die großen Orchester von Melbourne, Sydney, Brisbane, auswärts von Toronto sowie das Victoria und das Zelman Symphony Orchestra führten in Folge ihre Werke auf.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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