Neue Musikbücher im Herbst 2017

Tonordnungen und Differenzen zwischen den Künsten

Hinter die Erkenntnisse von Rebekka Sandmeier zur Geistlichen Vokalpolyphonie im englischen Frühhumanismus geht Stefan Häussler noch einen großen Schritt in der Musikhistorie zurück und beschreibt – als erster in diesem Umfang, systematisch und unter neuen Aspekten - Die Kyrieorgana von Winchester und liefert auf einem wenig beackerten Feld der Mittelalter-Musikforschung packende Analysen, Hypothesen und neu bezeichnete Klangfolgen zur Mehrstimmigkeit des 11. Jahrhunderts – so der Untertitel. Erschienen ist die erhellende Studie in der Reihe im Oktober beim Wolke-Verlag.

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Als 26. Band der Reihe sinefonia des Wolke-Verlags erschien nun Stefan Häusslers Untersuchung zu den Kyrieorgana von Winchester (ISBN 13: 978-3955930264).

Als 26. Band der Reihe sinefonia des Wolke-Verlags erschien nun Stefan Häusslers Untersuchung zu den Kyrieorgana von Winchester (ISBN 13: 978-3955930264).

Stefan Häussler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Freiburg und gilt als ausgewiesener Experte in der musikwissenschaftlichen Paläographie, und zwar auf dem Gebiet der Modal- und Mensuralnotation. Ein Verdienst seiner aktuellen Untersuchung ist neben der Edition und Transkription der zweistimmigen Gesänge auf moderne Notenlinien die Feststellung, dass es beim Phänomen der Organa weniger um spezifische Mehrstimmigkeit geht als um die Modi der Tonordnung und die Frage, welches Liedgut im 11. Jahrhundert überhaupt der Verschriftlichung für würdig gehalten wurde (und warum).

Nur einseitige Beachtung fand Jacques Offenbachs Konzeption der Pariser Operette, die dank seiner Paradewerke einen Höhenflug in der Publikumsgunst erfuhr, später – nicht zuletzt ausgelöst durch den Wiener Ringtheaterbrand während einer Aufführung von Hoffmanns Erzählungen im Jahr 1881. Möglicherweise trug das einschneidende Ereignis auch zu einer geringeren Wertschätzung der Gattung Operette wenigstens im deutschsprachigen Raum bei.

Am 10. Januar dieses Jahres: Aufführung von Offenbachs 'Les Contes d'Hoffmann' in der Opéra Bastille Paris (Nawal, flickr, CC-Liz.)

Am 10. Januar dieses Jahres: Aufführung von Offenbachs ‘Les Contes d’Hoffmann’ in der Opéra Bastille Paris (Nawal, flickr, CC-Liz.)

Im Sinne einer neu initiierten wissenschaftlichen Revision und Aufarbeitung beschäftigt sich die 5. Ausgabe der von der Europäischen Musikforschungsvereinigung Wien herausgegebenen Österreichischen Musikzeitschrift mit dem vernachlässigten Thema. Beleuchtet werden in dem Band unter anderem die Rezeption durch Karl Kraus, dem Apologeten Offenbachs, dessen Romantische Oper Die Rheinnixen und die Wiener Pressestimmen zur (zeitgenössischen) Pariser Operette.

Seit neuestem steht die Betrachtung der Differenz und nicht der Synästhesie zwischen den Künsten im Fokus von Komparatistik und Medienwissenschaft (ISBN 978-3770555598).

Seit neuestem steht die Betrachtung der Differenz und nicht der Synästhesie zwischen den Künsten im Fokus von Komparatistik und Medienwissenschaft (ISBN 978-3770555598).

Nicht nur die Fachwelt der Komparatistik dürfte den Anfang Dezember 2017 beim Wilhelm Fink Verlag erscheinenden Sammelband des Herausgeberteams von Elisabeth Oy-Marra, Klaus Pietschmann und Gregor Wedekind mit Spannung erwarten: Die Aufsätze unter dem Titel Intermedialität von Bild und Musik tragen zu einem wichtigen Gegenstand der neueren Medienwissenschaft überhaupt bei, zu Fragen der wesentlichen Differenzen zwischen visuellen und auditiv basierter Kunstproduktion. Dank der diachronischen Herangehensweise und konsequent interdisziplinärer Methodik decken die Autor/inn/en interessante Zusammenhänge und Strategien auf.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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