Die solistische Karriere eines "Hintergrundinstruments"

Für fliegende Hände

Ganz anders als das eher “gläsern” resonierende Vibraphon zeichnet die Marimba aus der Klasse der Schlagstabspiele ein wärmerer Charakter aus: Das Instrument verfügt über meistens aus Palisander von Honduras gefertigte Klangstäbe, unter denen im Falle des Orchesterinstruments jeweils eine Resonanzröhre aus Aluminium angebracht ist, um den Klang zu verstärken. Den im Vergleich zum Xylophon dunkleren und voluminöseren Ton erzeugt der Spieler dank der dünneren und weicheren Holzklangplatten, die in ihrer Anordnung die Klaviatur abbilden. In einem regelhaften Symphonieorchester kommen Klöppel aus Palisander, Ahorn oder Rattan zum Einsatz.

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Marimbaphon der Marke Wurlitzer im Berliner Musikinstrumenten-Museum (Andreas Praefcke, Febriar 2009, p.d.)

Marimbaphon der Marke Wurlitzer im Berliner Musikinstrumenten-Museum (Andreas Praefcke, Febriar 2009, p.d.)

Die afrikanische Herkunft des Prototyps lässt sich nicht verleugnen, denn ursprünglich und nach der Verschleppung von Sklaven und ihrer Traditionen in die Karibik und auf das mittelamerikanische Festland bestanden die Kalebassen unter den Holzplatten der Marimba aus Zeder oder Kürbis, nicht wie beim europäisch “gezähmten” Vertreter aus Leichtmetall. Insbesondere in Guatemala, wo sie “das” Nationalinstrument darstellt, fand die Marimba als volksläufiges Instrument rasche Verbreitung, wird aber auch in Mexiko weithin verwendet. Der älteste erhaltene Hinweis geht auf eine guatemaltekische Quelle aus dem Jahr 1680 zurück. Vor allem im Festlandsraum um die karibische Inselwelt ist das Instrument längst Bestandteil traditioneller Besetzungen, sowohl in folkloristischen Zusammenhängen als auch Tanzstilen, im Jazz und in der Kunstmusik im engeren Sinn. Kurios liest sich der Umstand, dass die Marimba im weit entfernten Japan ebenfalls - nicht zuletzt dank der Musikerin Keiko Abe bestens etabliert ist.

Mit "fliegenden Händen": die  japanische Marimba-Virtuosin Keiko Abe (Guillem-ruiz, 26.3.2016, CC-Liz.)

Mit “fliegenden Händen”: die japanische Marimba-Virtuosin Keiko Abe (Guillem-ruiz, 26.3.2016, CC-Liz.)

Wenn es um ihre solistische Rolle im Symphonieorchester geht, ist in erster Linie Paul Crestons Concertino for Marimba (1940), an Darius Milhauds Concerto pour Marimba et Vibraphone et Orchestre (1947) und an das Concerto for Marimba and Orchestra des Dänen Anders Koppel (1995) zu denken. Weitere Werke gleicher oder ähnlicher Besetzung waren durch das ganze 20. Jahrhundert und noch bis vor kurzem keine Seltenheit, so trugen in Guatemala Jorge Álvaro Sarmientos 1957 mit einem Concierto, zwei Generationen später der in Bari lehrende durch Mani volanti (“Fliegende Hände”) weltweit populäre Virtuose Luigi Morleo und 2007 Antonio Negri mit seinem Ragtime für Marimba und Streicher dazu bei. Ein für Furore sorgendes Solostück war 1985 die Komposition Shinui des aus Kalifornien stammenden Schlagzeugers Leon Milo, der kurz zuvor wenigstens vier Jahre hindurch in Israel mit namhaften Dirigenten zusammengearbeitet hatte. Der argentinische Pianist Pablo Aguirre schrieb 2003 sein engagiertes Concierto por la paz für Marimba und Symphonieorchester.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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