Scorpions - Born To Touch Your Feelings (Best Of Rock Ballads)

Sehnsucht als Kür

Scorpions: Born To Touch Your Feelings (Best Of Rock Ballads) (RCA/Sony Music)

Scorpions: Born To Touch Your Feelings (Best Of Rock Ballads) (RCA/Sony Music)

Als ob es eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass die Ur-Hannoveraner seit jeher über ein besonders feines Händchen für Rockballaden verfügen, erscheint am Freitag mit Born To Touch Your Feelings (RCA/Sony Music) eine – weitere – Kompilation mit Highlights aus der eher sanften Schmiede der Unverwüstlichen um Sänger Klaus Meine. Tut sie denn wirklich not? Angesichts der Art und Weise, wie hier balladeske Perlen aneinandergereiht werden, ganz klar: Ja!

Denn selbst die Weltruhm manifestierenden, aber dadurch vermeintlich auch tot genudelten Smasher wie Wind Of Chance oder Still Loving You erstrahlen in aufgefrischter Form, in neuem Glanz. Hingegen benötigen etwa die Übersongs des Überalbums Lovedrive (1979), – Always Somewhere und Holiday – keinerlei Reset, um nach wie vor zu zünden. Wie am ersten Tag. Und doch klingen sie auf Born To Touch Your Feelings spürbar verjüngt, wenn auch angemessen dezent.

Die außerordentliche Gabe, treffliche Rockballaden zu schreiben, stellten die Scorpions bereits zu ihren Anfängen unter Beweis. Man höre nochmals die Scheiben der ersten bis zweiten Phase (also bis zu besagtem Lovedrive) – und staune erneut über die ergreifende Melodik, derer sich (damals) die Gebrüder Schenker und Co. geradezu präpotent bedienten. Doch die nun vorliegende Kompilation konzentriert sich auf die jüngeren und jüngsten Jahre, womit die Notwendigkeit eines 3-CD-Sets (mindestens) umgangen ward. Auf Vollständigkeit wird also gepfiffen, so wie beim kanonisierten Intro zu Wind Of Change.

Zur Unverzichtbarkeit dieser Kollektion gereicht ihre Anreicherung: Anhand drei brandneuer Songs, die sich nahtlos in die längst legendäre Gemengelage einfügen: Follow Your Heart, Always Be With You und Melrose Avenue. Gekonnt ist gekonnt, Handwerk mit Herz.

In toto fällt – immer wieder – auf, wie es den Scorpions (ganz gleich in welcher Phase ihres Schaffens) gelungen ist und gelingt, Rockballaden aufzusetzen, die mit dem gewissen Etwas punkteten und punkten. Und eben bei weitem nicht allein jene Standards bedienten und bedienen, die bei der Zunft üblicherweise zur Langeweile gereichen. Die Schmuser und Schmachtfetzen scheinen den Scorpions – seit ihren Anfängen – stets eher Kür als Pflicht gewesen zu sein. Die Lust an der Sehnsucht, sie scheint ihren Songwritern ins Gemüt geschrieben. Und somit uns ins kollektive Bewusstsein.

Wem das alles noch nicht genügt, um sich Born To Touch Your Feelings ans eigene Herz legen zu wollen, sollte sich vergegenwärtigen, dass er sich mit der Cover-Photographie ein Werk von Ellen von Unwerth ins Haus holen kann. Nach Helmut Newton oder Gottfried Helnwein ein weiterer großer Name „im Auftrag“ der Scorpions. Da möchte man doch glatt zur Vinyl-Version greifen: je größer, desto lieber.

Summa summarum: Nach anfänglicher Skepsis, ob es sich bei Born To Touch Your Feelings um eine sinnvolle Veröffentlichung oder um eine maue Ausschlachtung des Repertoires handelt, dürfte hiermit klar sein, dass jenes apriorische Misstrauen längst der Anerkennung gewichen ist.

Follow Your Heart:
youtube.com/watch?time_continue=22&v=tMui4IVW0BM

Born To Touch Your Feelings:
youtube.com/watch?v=vxuhNmjnK9M

the-scorpions.com

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