Sylvain Chauveau & Chant 1450 Renaissance Ensemble - Echoes Of Harmony

Irdisch himmlisch

Sylvain Chauveau & chant 1450 Renaissance Ensemble: "Echoes Of Harmony" (Sub Rosa/Alive)

Sylvain Chauveau & chant 1450 Renaissance Ensemble: “Echoes Of Harmony” (Sub Rosa/Alive)

Echoes Of Harmony – Early Music Reworked (Sub Rosa/Alive), so lautet der vollständige Titel dieser tiefgründig ansprechenden Veröffentlichung, deren mentale Verfasstheit sich allein am bisherigen Werk des Sylvain Chauveau mehr als nur vermuten lässt. Denn der Franzose steht für analytisch komprimierte Phänotypen des Sentiments. Ganz gleich, ob er sich mit Eigenkompositionen herumschlägt, mit den Songs von Depeche Mode oder, wie in diesem Falle, mit den spanischen Canicionero de Colombina (ca. 1470) oder den Canicionero de Palacio (um die vierzig Jahre später).

Der Brückenschlag zwischen Alter Musik und zeitgenössischer Electronica gelingt – immer häufiger. Im Falle der Echoes Of Harmony insbesondere im Hinblick auf die gediegene Zurückhaltung, mit der hier zwei zeitlich voneinander getrennte Welten aufeinander bezogen und vereint werden. Das chant 1450 Renaissance Ensemble (Schweiz) wird in seiner sachkundig emphatischen Manier von den Interventionen des modernen Klanggestalters kaum in Verlegenheit gebracht. Alles und alle dienen dem spanischen Erbe einer Epoche, deren Kunstmusik wohl schon während ihrer Entstehung auf kommende Jahrhunderte ausgerichtet wurde.

Das Überdauern der Essenz, sei es religiös, säkular oder lediglich formal motiviert, muss dem damaligen Verständnis der Iberer endogen gewesen sein. Einen anderen Schluss lassen diese Aufnahmen kaum zu. Die Renaissance, im Einvernehmen mit einer Rehabilitation des Spirituellen: Hier wird sie hörbar, spürbar, nachvollziehbar. Mit seinen feinfühligen Drones und ebenso fein gestreuten Zufügungen überwindet Sylvain Chauveau samt Ensemble jene dem Wesen der Zeit geschuldete Distanz, die Alte Musik – möglichst authentisch aufgeführt – gemeinhin erzeugt.

Echoes Of Harmony klingt also weder museal noch nostalgisch verklärt – oder verbissen „echt“. Sondern derart modern, wie es die Zeitlosigkeit überhaupt nur zulassen kann. Javier Robledano interpretiert seinen Part als Countertenor mit einer wohldosierten Konzentration, die im Zeitraum des Entstehens der hier exerzierten Kompositionen vermutlich kaum geduldet worden wäre. Höchstens innerhalb von Klostermauern. Da es sich jedoch originär um Ansprachen an die irdische Liebe, die irdische Schönheit und das Irdische an sich handelt, mag auch diese Rezension mit den Worten Christoph Schlingensiefs schließen: „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“

sylvainchauveau.com
facebook.com/sylvain.chauveau.music
subrosa.net/chant1450.ch

dense.de

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