Pfade durch die Musiklandschaft Australien XLVIII

Jandamarra – Clash of Civilizations?

Wenigstens sieben Preise räumte Peter Sculthorpes einstiger Schüler Paul Stanhope, Jahrgang 1969, alleine zwischen 2004 und 2017 für höchst unterschiedliche Kompositionen ab: zuletzt in diesem Jahr für ein Agnus Dei, das unter seiner Leitung vom Sydney Chamber Choir für die CD Lux Aeterna eingespielt wurde. Den Anfang der Würdigungen machte der Toru Takemitsu Composition Award für seine 2003 geschriebene Orchester-Fantasie auf ein Thema von [Ralph] Vaughan Williams. Auszeichnungen erhielt er in Folge für das Kammerchorstück Deserts of exile, das auf dem Text eines palästinensischen Dichters basiert, der unter anderem Fragmente aus den alttestamentarischen Gesängen des Propheten Jeremiah zitiert.

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Das Arbeits- und Lebenszentrum des australischen Komponisten Paul Stanhope liegt in Sydney (Jason Carlett, Australian Music Centre).

Das Arbeits- und Lebenszentrum des australischen Komponisten Paul Stanhope liegt in Sydney (Jason Carlett, Australian Music Centre).

Lamento-Figuren bezieht auch – teils aus sephardisch-jüdischer Tradition – Qinoth für 11 Streichinstrumente mit ein, das 2012 nach Stanhopes 2. Streichquartett von 2009 prämiert wurde. Eine ungewohnt große Besetzung sieht seine 2014 in Verbindung mit Steve Hawke komponierte Kantate Jandamarra: Sing for the country vor, nämlich außer einem Bariton, Chören, und Orchester noch ein indigenes Aborigines-Ensemble mit Schauspielern. In der “gesungenen” Geschichte geht es um einen lokalen, einst quicklebendigen Helden der Bunuba in Westaustralien, der sich gegen die Despotie weißer Siedler in der Gestalt eines Polizisten durchsetzte, um zu seinem Volk zurückzukehren, das ihn aus dem Gefängnis “herbeigesungen” hatte.

Das Benaud Trio nahm 2012 beim Label Melba Recordings ein Album auf, das auch dem Werk Paul Stanhopes gewidmet ist; daneben sind darauf Kompositionen von Ross Edwards,  Matthew Hindson und anderen hochrangigen Tonsetzern Australiens zu hören (ASIN: B074QHJYSZ).

Das Benaud Trio nahm 2012 beim Label Melba Recordings ein Album auf, das auch dem Werk Paul Stanhopes gewidmet ist; daneben sind darauf Kompositionen von Ross Edwards, Matthew Hindson und anderen hochrangigen Tonsetzern Australiens zu hören (ASIN: B074QHJYSZ).

Larry Sitsky wurde auf Paul Stanhope aufmerksam, als er seine Phospheric Variations (1998) kennenlernte, ein Zyklus, von dem sowohl eine Version für Saxophon als auch für Klarinette und Klavier vorliegt. Ganz anders als in einer “schulgemäßen” Abfolge von Thema und Variationen werden die vorgestellten Themen hier aber verziert und über einem Basso ostinato variiert, also eher bei einer Chaconne verarbeitet, wie Stanhope selbst vermerkte. Da es sich um ein äußerst strukturiertes Werk handelt, in dem das anfängliche Motiv zum Ende eine massive Steigerung erfährt, erscheinen die Variationen ebenso wie die Auszierungen der Themen für das Ohr des Hörers sehr transparent und leicht nachvollziehbar.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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