Töne (nicht nur) aus den Staaten: Georgia

Carols im “Age of Enlightenment”

Der französische Begriff carole, gebildet auf der Basis des lateinischen Worts choraula, beschreibt einen von Sängern begleiteten Rundtanz. Diese Form geselligen Vergnügens erfreute sich großer Beliebtheit vom hohen bis weit ins späte Mittelalter, bewährte sich danach immer mehr im Rahmen kirchlicher Feste und anlässlich von Mysterienspielen. Durch die Reformation erfuhren diese Lieder und Tänze eine neue Bewertung; sie sollten nunmehr wie oirginär gedacht ganz Sache breiter Volksschichten sein – ohne enge Bindung an den religiösen Ritus.

Administriere bereits ab €0,- Deine Sprachschule!

Das Lied 'Come, Thou Long Expected Jesus' von Charles Wesley datiert von 1749, hier in einer Ausgabe des Gesangbuchs 'The Hymnal' (1916) (Charles Wesley, Christian Friedrich Witt, p.d.).

Das Lied ‘Come, Thou Long Expected Jesus’ von Charles Wesley datiert von 1749, hier in einer Ausgabe des Gesangbuchs ‘The Hymnal’ (1916) (Charles Wesley, Christian Friedrich Witt, p.d.).

Nach dem aus dem 15. Jahrhundert überlieferten englischen Typus bestanden die geistlichen Lieder aus melodisch identischen Versen im Wechsel mit einem Refrain. Die spätere anglophone Verengung von carol auf den Terminus Weihnachtslied brachte es mit sich, dass sich neue hymnodische Traditionen  ausbildeten. Bereits im 17. Jahrhundert setzten sich im Zuge der protestantischen Umakzentuierung von der Marienverehrung der katholischen Liturgie auf Christi Geburt in Europa wie in der Neuen Welt immer mehr Lieder mit weihnachtlichem Gehalt durch. Dafür steht unter anderem beispielhaft In dulci jubilo.

Für weite Verbreitung reformatorisch gefärbten Weihnachtsliedguts auch in den Vereinigten Staaten sorgte etwa 1749 mit Come, Thou Long Expected Jesus der zwischenzeitlich als Sekretär des Gouverneurs von Georgia arbeitende methodistische Pfarrer Charles Wesley (1707 – 1788). Des weiteren bereicherte der Dichter John Byrom (1692 – 1763) mit Christians Awake 1746 das anglophone Repertoire des Carol.

Das Rose Ensemble steht  für eine Erneuerung des 'Christmas Carol' aus der frühen Hymnodie (Rose Records,  2008?, B01G4E4QUK).

Das Rose Ensemble steht mit ‘Early American Carols’ für eine Erneuerung des ‘Christmas Carol’ aus der frühen Hymnodie und den ländlichen Tänzen (Rose Records, 2008?, B01G4E4QUK).

Gerade in den USA explodierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Pflege des kirchlichen Weihnachtslieds förmlich, vermehrt um afroamerikanische Spirituals wie Go, Tell it on the Mountain, brachte daneben aber einen weltlichen, durch romantische Kunstanschauung mitbedingten Zweig hervor, in dem mehr Santa Claus und die Bescherung mit Lichterglanz und Kutschengeläut im Vordergrund stehen, inklusive der massiven Kommerzialisierung seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts …

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>