Everlast: “Life Acoustic” – Der Weiße mit der schwarzen Seele

Schamlos ist noch das schmeichelhafteste Wort für das, was Everlast mit der schwarzen Musik macht. Denn Kategorien sind für ihn nur bürokratischer Mist, der den Freigeist erstickt. Der irischstämmige Musiker ist im HipHop genauso zu Hause wie im Folk und Blues und macht als Weißer eine verdammt coole Figur.

Das hat ihm 1998 mit dem Song “What It’s Like” und dem dazugehörigen Album “Whitey Ford Sings The Blues” sogar einen Emmy eingebracht. Im neuen Jahrtausend konnte er zwar nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen, sein Ruf innerhalb des Musikbusiness ist aber unbestritten.

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Das aktuelle Album “The Life Acoustic” zieht ein erstes Resümee seines Schaffens – in Form von alten Songs, die Erik Francis Schrody (so sein bürgerlicher Name) nur mit Gitarre und Piano eingespielt hat.

Ein schmutziges Unplugged-Album: Everlast "The Life Acoustic" (Quelle: Long Branch Records)

Ein schmutziges Unplugged-Album: Everlast “The Life Acoustic”
(Quelle: Long Branch Records)

Die Wahl der Songs zeigt ein weiteres Mal, dass es der Musiker nicht darauf absieht, den Fans zu gefallen oder in irgendeiner Form durch sein altes erfolgreiches Material noch mehr Anhänger anzuwerben. So fehlt bei dieser Zusammenstellung überraschenderweise “What It’s Like”. Dafür hat er sich jene Stücke herausgesucht, die vom Publikum geflissentlich überhört wurden. “Sad Girl”, “Black Jesus” oder “Today” beispielsweise offenbaren in diesen Versionen ihr Hitpotenzial, das zuvor keiner wahrgenommen hat.

“The Life Acoustic” ist ein Augen- und Ohrenöffner, der den alten Everlast-Stücken sämtlichen Ballast und das ganze Drumherum wegnimmt. Die Stücke sind nackt, intensiv und auf ihren Songkern eingedampft, was den Hörer geradezu nötigt, genau hinzuhören.

Und hier zeigt sich, dass sich der Mann weit von den üblichen Unplugged-Scheiben der großen Pop- und Rockstars entfernt. Hier entsteht keine süßliche Atmosphäre oder beschauliche Kontemplation. Seine Songs atmen eher die Romantik eines Lagerfeuertreffens oder einer verrauchten Blues-Kneipe zur Sperrstunde.

Anteil an diesem Effekt hat die leicht brüchige, aber dennoch wuchtig-sonore Stimme von Everlast. Sie wurde extrem nach vorne geschoben und vermittelt das Gefühl von Intimität und Weisheit. So schwarz singt kaum ein Weißer. Und wenn man sich zum Schluss noch “Jump Around”, den Gassenhauer von House Of Pain, wo Everlast seine Karriere begann, anhört, merkt man: Der Typ hat auch Humor.

Everlast: “The Life Acoustic” ist am 30.08.2013 erschienen (Long Branch Records/SPV)

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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