Ist Schlager jetzt jugendfrei?

Man erinnere sich an Zeiten der ZDF-Hitparade. Herren in Schlips und Kragen, elegente Sängerinnen in Abendrobe oder süßen Kleidchen, dazu ein Publikum, das mit schüchterner Mimik nach dem Vortrag und einem dankbaren Verbeugen der Künstler die Hände zu einem kurzen Applaus hob. Von popkonzertähnlichen Szenen und ausgelassener Stimmung keine Spur. Dann kam alles anders.

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Plötzlich war Schluss mit Schlager. Klamauk à la „Die Doofen“ und Techno regierten die 90er Jahre . Sogar das Hochamt des internationales Schlagers, der „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ wurde 1992 in „Eurovision Song Contenst“ (ESC) umbenannt. Die Erinnerung an die Grand Prix-Erfolge von Udo Jürgens und Nicole drohten zu verblassen. Bis 1998 ein Mann in den internationalen Ring stieg und selbstbewußt rief: „Ich find Schlager toll!“ – der Trierer Pädagoge Horst Köhler, besser bekannt als Guildo Horn, begann mit Lobbyarbeit für den Deutschen Schlager. 1998 belegte er mit dem von Stefan Raab komponierten Titel „Guildo hat euch lieb!“ sogar den siebten Platz beim ESC. Nicht zu vergessen, Dieter Thomas Kuhn, der mit 70er-Jahre-Schnulzen Deutschlands Bühnen zum beben brachte.

Der Schlager überstand die Jahrtausendwende und wandelte sich zur musikalischen Saufbegleitung. Künstler wie Mickey Krause und Peter Wackel rocken unter der „Federführung“ von 70er-Jahre-Erbonkel Jürgen Drews Deutschlands Urlaubsdestination Nummer 1, Mallorca, und Bierzelte im gesamten deutschsprachigen Raum.

Neue, echte Schlagerstars
Mitte des ersten Millenium-Jahrzehnts ließen junge Künstler den bisherigen „Geheimbund“ der Schlagerfans aufhorchen. Nichts mehr mit Saufgelage und Bierzelt. Künstler wie Helene Fischer, Ela Endlich oder auch der Österreicher Andreas Gabalier kamen auf den Plan und jeder hatte sich individuell erfunden.
Die gebürtige Russin Fischer füllt die Konzertstätten mit beeindruckenden Bühnenshows, die stark an Zirkus mit Musicalfragmenten erinnern. Andreas Gabalier, der selbsternannte Volks Rock’n’Roller füllt mit einer Mischung aus Volksmusik, Schlager und Rock locker mal die Wiener Stadthalle. Ela Endlich setzt auf gefühlvolle Balladen. Andrea Berg, deren erste Keime bereits in den 1990er Jahren zu finden sind, gibt auf Deutschlands Bühnen den von Männern enttäuschten Vamp. Konzepte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Doch eines haben alle gemeinsam: Die Altersgruppe der Fans kann man getrost mit „von 8 bis 80“ definieren.

Schlager ist cool, sagt Dieter
Sogar Dieter Bohlen, der ja vom Schlager kommt, setzt auf die neue Generation. Mitten in der diesjährigen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) schmiss er den bisherigen DSDS-Einheitspop um und ließ eine Schweizerin wie Phönix aus der Asche in den Schlagerhimmel gleiten. Beatrice Egli gewann mit dem auf den ersten Blick platt klingenden Titel „Mein Herz“ die Staffel. Die Teeniefans der RTL-Castingshow stürmten beim Finale plötzlich die Bühne bei einer Musik, die bis zu diesem Zeitpunkt bei den Jugendlichen nur zum Rümpfen der kindlichen Nase animierte. Deutschlands TV-Geräte bebten. Der Dieter hatte den richtigen Riecher und hat’s wieder mal gerichtet.

Was meint ihr? Muss man sich noch schämen, Schlager zu hören oder sind die meist liebestollen deutschen Klänge inzwischen jugendtauglich? Kommentiert, wir freuen uns auf eure Meinungen.

Titelbild: Beatrice Egli (Quelle: obs/concetera GmbH/Universal)

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