Schöngeist: “Wehe!” – auf unheiligen Pfaden

Pathetisch aufgeladener Deutsch-Rock hat nicht erst seit gestern Hochkonjunktur. Dank des Grafen und seiner Kopf-Hoch-Hymne “Geboren um zu leben”, zieht es immer mehr Dunkelrocker ins Licht. Bands wie Mono Inc. oder Eisbrecher können dabei veritable Verkaufszahlen und hohe Charterfolge verbuchen. Schöngeist will es ihnen mit “Wehe!” offenbar gleichmachen.

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Wehe, wenn er losgelassen: Schöngeist (Quelle: Oblivion/Result Promotion)

Wehe, wenn er losgelassen: Schöngeist
(Quelle: Oblivion/Result Promotion)

Das Münchner Rock-Ensemble um Sänger Timur Karakus hat seine Hausaufgaben gemacht und von den Kollegen gelernt. Melancholisch rockt das Album vor sich hin, liebäugelt hier und da mit Neuer Deutscher Härte, der aber durch Streicher und jeder Menge Pop-Appeal seine Bedrohlichkeit verliert.

Gerade im Titelsong oder auch dem unverschämt eingängigen “Zusammen allein” offenbart sich das ganze Songverständnis der Band. Gut, “Zusammen allein” wurde mit Alexander Wesselsky, seines Zeichens Eisbrecher-Mastermind, geschrieben. Seine Erfahrung hat sicherlich dazu beigetragen, dass dieses Stück besonders hervorsticht und mit Recht als Vorabsingle via Internet veröffentlicht wurde.

Ansonsten ist “Wehe!” ein Album über die Liebe, die nicht erwidert wird und unvollkommen bleibt. Damit beackert der Schöngeist zwar ein schon oft bestelltes Feld, schafft es aber über weite Strecken, den Texten den richtigen Dreh zu verleihen, um sie vor unheiligen Kitsch zu bewahren. Dennoch ist die Ausrichtung klar: Nach diffusen Anfängen der 2006 gegründeten Band ist “Wehe!” eine klare Kampfansage und der Musik gewordene Wille nach medialer Aufmerksamkeit. Daran ist nichts verkehrt, solange Schöngeist sich selbst treu bleibt.

Nur “Where The Wild Roses Grow” am Ende der Scheibe hätte es nicht mehr gebraucht. Diese Nick-Cave-Coverversion ist so belanglos wie eine tote Fliege im Swimming-Pool.

Als kleinen Appetizer das Video zum Titelsong:

Schöngeist “Wehe!” ist am 30.08.2013 erschienen (Oblivion/SPV)

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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