Stuttgarts Jazz soll nach Mannheim

Der Studiengang Jazz/ Pop an der Musikhochschule Stuttgart soll nach Mannheim verlegt werden. Das hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst aufgrund von Sparmaßnahmen beschlossen. Die Studierenden der Musikhochschule nehmen das nicht so einfach hin und protestieren seit dem Beschluss kreativ und vielseitig gegen die geplante Maßnahme. Am 15. September findet um 19 Uhr z.B. ein Solidaritätskonzert mit Musikern der Hochschule im Theaterhaus statt, es gibt eine Petition, und beim Landesjazzpreis wurde schweigend mit zugeklebten Mündern und aussagekräftigen Plakaten protestiert.

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Die Stuttgarter Jazz-Szene protestiert gegen die geplante Verlegung (Quelle: Jürgen Bothner, Stuttgart braucht jungen Jazz)

Klar, wir alle müssen sparen. Und sparen tut weh, besonders denjenigen, die bespart werden sollen. Doch ich frage mich, wie die Politik entscheidet, an welchen Enden sie spart.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer von den Grünen nannte in der Stuttgarter Zeitung als ein Argument für die Verlegung, sie wolle verhindern, dass noch mehr Musikhochschul-Absolventen nach einer hochwertigen Ausbildung in die Arbeitslosigkeit abdriften.

(Quelle: www.stuttgarter-zeitung.de)

Das klingt für mich nach einer nicht durchdachten Ausrede. Um junge Menschen vor der Erwerbslosigkeit zu schützen, drängt man sie dazu, nicht Jazz/ Pop zu studieren, sondern ein anderes, solides Fach zu wählen, sagen wir Medizin? Das ist doch Schwachsinn. Wie viele Studienfächer müssten dann geschlossen oder verlegt werden? Schaffen wir doch alle „unsinnigen“ Fächer wie Musik, Sport oder Kunst einfach ab! In der Schule gleich auch, was bringt denn der Unterricht in diesen Fächern schon? Wozu sollen Kinder lernen, welche Instrumente es gibt, das bringt ihnen ja doch nichts, wenn sie nach der Schule „vernünftig“ ihre Brötchen verdienen wollen.

Mit der Abwanderung des Studiengangs wird Stuttgart ein wichtiger Teil seiner Musik- und Kultur-Identität genommen. Die ganze Szene wird darunter leiden, nicht nur die Studierenden selbst, sondern auch die Cafés, die Clubs und die selbstständigen Musiker, die sich in Stuttgart angesiedelt haben.

Mir scheint, dass Frau Bauer selbst nicht so ganz überzeugt ist von der Verlegung, und dass sie deswegen solche Argumente vorbringt. Der Studiengang Jazz/ Pop ist für den Kulturstandort Stuttgart ein elementarer Bestandteil, und es ärgert mich, dass die rot-grüne Landesregierung vor der Wahl noch groß von Kultur und dem Erhalt dieser gesprochen hat. Und jetzt?

Böse Zungen behaupten, das Thema werde künstlich hochgeschaukelt, immerhin naht der 22. September und Schwarz-Gelb-Befürworter seien daran interessiert, ihre Gegner zu schwächen. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die Jazzszene den Beschluss stillschweigend akzeptieren würde, wenn keine Wahlen anstünden. Es geht um ihre Existenz, um ihr Leben, das mit einem Rundum-Kahlschlag verändert werden soll.

Immerhin: Frau Bauer sagte der Stuttgarter Zeitung, sie bliebe von den Protesten nicht unberührt. Wollen wir hoffen, dass das Auswirkungen hat und sie sich andere Mittel und Wege überlegt. Schließlich sind wir hier in Baden Württemberg bei den Weltmeistern im Sparen.

Was denkt ihr? Soll der Studiengang Jazz/ Pop von Stuttgart nach Mannheim verlegt werden?

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