Gentil señora mía: Musikalische Globalisation im 16. Jahrhundert

Man höre und staune: im 16. Jahrhundert gab es weder CDs, noch irgendwelche Videoplattformen im Internet, aber schon Hits oder musikalische Modeerscheinungen, die europaweit die Herzen höher schlagen ließen.

Das Madrigal, zunächst als rein literarisches Gedicht mit freiem Versmaß entstanden und mit dem Namen des florentinischen Dichters Francesco Petrarca untrennbar verbunden, wurde im 16. Jahrhundert, aus musikalischer Sicht, zum Sammelbegriff für jedes Stück, das instrumental und/oder vokal ein Gedicht vertonte.

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Cover "Gentil Senora Mia" (c) Brilliant Classics

Cover “Gentil Senora Mia” (c) Brilliant Classics

Jene Verse, die 200 Jahre zuvor den Grundstein zur Entwicklung einer italienischen Hochsprache gelegt hatten, trafen im 16. Jahrhundert, nach der musikalischen Revolution der franco-flämischen Schule, auf deren neuen Konsonanzbegriff und machten das Madrigal, in eigenen, länderspezifischen Formen, zu einem europaweiten Phänomen, das die Entwicklung der abendländischen Musikgeschichte bis ins 17. Jahrhundert hinein maßgeblich prägen sollte.

Die CD Gentil señora mía des niederländischen Vokalquintetts Quink, am 09. August 2013 bei Brilliant Classics erschienen, bietet nun die Möglichkeit, abseits der Madrigal-Klassiker von Orlando di Lasso und Claudio Monteverdi, einige Werke des spanischen Komponisten Juan Vásquez (ca. 1500-1560) zu entdecken. In seinem Heimatland verbreitete sich das Madrigal vor allen Dingen als Villancico – im Gegensatz zum italienischen Original oft ohne Refrain-, oder Canción, wobei die zweitgenannte Liedgattung ernstere Themen behandelt und auch kontrapunktisch anspruchsvoller gestaltet ist.

So singt das Quink Vocal Ensemble von Liebesschmerz, aber auch Marienfrömmigkeit und erweckt so ein früheres Beispiel musikalischer Globalisation zu neuem Leben.

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