Mein erster Plattenladen

Als ich etwa 16 war, gab es in meiner ehemaligen Heimatstadt Augsburg einen großartigen kleinen Plattenladen namens Ungawa, der als eine Art Dreh- und Angelpunkt der lokalen Szene für elektronische Musik funktionierte. Ich war damals konfrontiert mit verschiedenen Electro-Spielarten (damals nannten wir alles, das mit dem Computer erzeugt wurde noch Electro), vorallem Peaches, Chicks on Speed, International Pony und das ganze audiolith-Umfeld. Man gründete Bands und hoffte auf Gage.

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Meine erste Platte, die in dem Karton für Ladenhüter aufbewahrt wurde, war Schneider TM’s Reality Check, und in anbetracht dessen, dass mein Budget ziemlich begrenzt war, kaufte ich sie mir. Zuhause spielte ich das Ding rauf und runter und kam mir wahnsinnig großstädtisch vor.

Von nun an hielt ich mich im Ungawa öfter auf, der – nach eigener Ankündigung – Montags “nach Laune” geöffnet hatte. An der Kasse gab es selbstgebrannte CDs lokaler Acts auf Kommission, so auch Chiptunepunk von Sputnik Booster, düsteren DnB von Sirios Hack (der damals noch Loki hieß) und bayrische Seltsamkeiten von Le Siff

Irgendwann machte der Laden zu und es entstand eine Ecke weiter ein neuer Vinyl-Laden, den ich jedoch fürchterlich fand. Auf die Frage, ob sie etwas in Richtung Fischerspooner da hätten, wurde mir nur mitgeteilt, dass es so etwas nicht gebe. Man drückte mir stattdessen Justices Cross in die Hand und noch so anderen hippen Schrott, der gerade “total angesagt” war.

Umso mehr freue ich mich dass Steff weitermacht und Ungawa wieder geöffnet ist. Ich werde wohl demnächst einen kleinen Besuch abstatten.

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Über Fabian Vallon

Seit 4 Jahren in Frankfurt wohnhaft, über den Punk zu Techno gekommen, immer ziellos in der Stadt unterwegs, produziert selbst unter dem alias quantities, Teil des Untergrunds, mag Slavoj Zizek und sammelt alte Spex-Ausgaben.

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