Apulanta im Interview: Zurück zum echten Punkgefühl

Am Mittwoch spielten die finnischen Punkrocklegenden Apulanta anlässlich ihrer kleinen Tour, die sie durch Polen, die Slowakei, Ungarn, Tschechien und Deutschland führt, auch einen Gig im Wiener Viper Room. Warum sie gerade jetzt nach über 20 Jahren, 21 Nummer Eins Singles und neun Nummer Eins Alben in ihrer Heimat das Experiment wagten ihren schnörkellosen Punk auch außerhalb Finnlands zu präsentieren und was sie mit der Europameisterschaft beim Spielzeugsoldatenbemalen zu tun haben, das erzählten die drei Jungs (Toni Wirtanen, Sipe Santapukki und Sami Lehtinen) von Apulanta in einem Interview, das ich kurz vor ihrem Auftritt in Wien führen durfte.

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Quelle: Teemu Mäki

Quelle: Teemu Mäki

Nach 20 Jahren erfolgreicher Karriere in Finnland ist dies eure erste richtige Tournee außerhalb von Finnland, warum gerade jetzt?
Toni: “Wir haben schon ungefähr 15 Jahre vorgehabt solch eine Tour zu machen, aber wir hatten einfach nie wirklich unsere Ärsche hochbekommen und etwas dafür getan.”
Sipe: “Einer der Gründe warum wir gerade jetzt die Tour machen ist, dass wir uns auch daran erinnern wollten, wie es war als wir vor 20 Jahren starteten. An Orten zu spielen an denen uns praktisch niemand kennt.”

Toni: “Und Orte die für unsere Musik wie geschaffen sind. Kleine Enge Räume so wie hier im Viper Room. Dort muss Punkrock gespielt werden. Und das vermissen wir in Finnland, wo wir einfach bereits zu groß geworden sind. Ich möchte mich nicht beschweren darüber. Ich habe zwei Häuser und fünf Autos, da kann man sich nicht beschweren, aber.”

Sipe: Ja und es ist auch ein Wunsch unserer Hardcorefans, die uns immer wieder fragen, warum wir nicht in solch kleinen Räumen spielen, so wie vor 20 Jahren. Das geht nur außerhalb von Finnland.”

Toni: “Zuguterletzt bringt es uns alle wieder näher zusammen. In Finnland gibt es kaum mehr eine direkte Zusammenarbeit zwischen uns und der Crew. Wir kommen nicht mit dem Tourbus zum Gig sondern erscheinen quasi 15 Minuten vor dem Konzert, wenn bereits alles für uns erledigt wurde. Es wirkt daher manchmal alles sehr distanziert. Hier ist es so, dass wir alles selbst machen, unsere Hände wieder schmutzig machen, ja das ist cool. Aber vielleicht ist es auch nur ein Herbsturlaub von drei Jungs. Einfach Spaß zu haben.”

Gibt es einen Unterschied im Publikum zwischen Finnland und Europa?
Toni: “Ja, ganz sicher. Man kann fast sagen es ist schade, dass wir in Finnland ein so großer Name geworden sind, weil daher alle „coolen Kids“ nicht Fans von Apulanta sein können. Es ist daher dort nicht mehr das ursprünglich, wilde auch manchmal gewaltbereite Punkrock-Publikum, sowie z.B. in der Slowakei, als die Fans während unseres Auftritts völlig verrückt wurden und wir wirklich glaubten, dass sie den Klub zerstören würden.”

Sami: “Ja da gab es sogar ein wenig das Angstelement während unseres Auftritts.”

Seit ihr noch nervös vor euren Auftritten?”
Sipe: “Nein, absolut nicht. Nach über 2000 Auftritten ist man nicht mehr nervös. Aber es ist wie in einen Bonbonladen zu gehen, denn du hast absolut keine Idee was passieren wird, bei solchen Gigs wie wir sie hier in Europa spielen.”

Toni: “Vielleicht ein wenig nervös. Hier in Europa es ist etwas einfacher, weil es keine Erwartungen gibt. In Finnland gibt es niemanden der keine Meinung hat über uns. Dort kannst du gar nicht vor uns entfliehen. Unsere Lieder stehen sogar in den Schulkinderbüchern und es gibt eine Apulanta-Karaoke-CD. Aber z.B. gestern in Budapest waren hunderte Leute auf unserem Konzert, die sicher noch nie etwas von uns gehört haben. Und wenn unsere Musik deren Herzen erobert, das ist ein wirklicher Sieg. Vielleicht nicht wirklich nervös aber aufgeregt. Es ist wirklich cool und eine Herausforderung neue Herzen zu erobern.”

Sipe: “Das Beste zu geben, das ist es was zählt, um den Leuten zu zeigen was diese Band auszeichnet. Und wir haben das auf der Tour immer gegeben. Es ist paradox, dass es uns in Finnland, wo wir vor tausenden Leuten auf großen Festivals auftreten nicht immer gelingt, das Beste aus uns herauszuholen.”

Toni: “Ja die Show in Polen, vor ein paar Tagen, war wahrscheinlich die beste Show, die wir seit vielen Jahren gemacht haben. Und dann entstand daraus sogar ein Fanclub. Leute, denen die Show gefallen hat, haben sich zusammengetan und jetzt gibt es einen Apulanta Fan-Club in Polen. Das ist wirklich cool.”

Wie habt ihr es geschafft so lange an der Spitze zu bleiben?
Toni: “Wenn wir das wüssten, wir würden es natürlich verkaufen und viel Geld damit verdienen. Aber wichtig ist, sich immer selbst herauszufordern und niemals gelangweilt zu werden. Solche Touren wie diese halten eine Band für weitere drei Jahre am Leben.”

Sipe: “Und die Herausforderung ist wahrscheinlich seine Komfortzone zu verlassen. Immer wenn wir eine Hitsingle hatten, machten wir etwas total anderes als Nächstes. Und niemals versuchen dem Geschmack deines Publikums zu folgen, sondern ehrlich zu dir selbst sein. Das zahlt sich am Ende aus.”

Toni: “Ja wir machen noch immer Dinge die eigentlich geschäftlicher Selbstmord sind. Singles die unmöglich irgendein Airplay bekommen können. Poltettu Karma (Anm.: neue Single) z.B. ist viel zu sehr Punk um Radiozeit zu bekommen. Aber das Wichtigste ist uns treu zu bleiben.”

Sipe: “Ja und darauf können unsere Fans vertrauen, dass wir das sagen was wir meinen.”

Ihr seid VIPs in Finnland. Habt ihr neben Apulanta noch irgendwelche Nebenprojekte?
Sipe: “Apulanta verbraucht die meiste Zeit.”
Sami: “Renovieren und Bauen von Häusern.”
Toni: “Ich bin Europameister im bemalen von Soldatenfiguren.”

Soldatenfiguren?
Toni: “Ja Soldatenfiguren. Ende des Monats gibt es wieder Meisterschaften in Großbritannien, wie cool ist das? Du kannst dir vorstellen wie ich mir im Tourbus die Zeit vertreibe, haha.”

Vielen Dank für das Interview.

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