Townes Van Zandt, komm zurück

Wenn ich solch kraftvollen Textzeilen wie “Baby I need you, Baby I love you…uuuuuhhhhhuuuu” beiwohnen darf, die mir ein langer Lulatsch mit Fisselbärtchen und dünnem Stimmchen entgegenschmettert, während er mit drei lausigen Akkorden ringt und so ausschaut, als würde er vor lauter Ergriffenheit, Kraft seiner eigenen Worte, gleich in Tränen ausbrechen – oh ja – spätestens dann wünsche ich mir jemanden wie Townes van Zandt wieder inständig auf die Bühnen dieser Welt zurück.

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Ist schließlich nicht das erste mal, dass ich, wild mit den Armen rudernd, verzweifelt nach dem Barkeeper winke, während der nächste angebliche “Songwriter” mich zielführend in den Alkohol treibt…

Townes Van Zandt konnte auch davon mehr als ein Liedchen singen, war er doch zu Lebzeiten ein Abhängiger (Drogen, Medikamente, Alkohol) und mit ausgeprägter Todessehnsucht ausgestattet. Wer bitteschön, würde sich aus dem 4.Stock eines Hauses einfach freudig herausstürzen, nur um mal zu sehen, wie sich das anfühlt!? Auch der große Steve Earle, den Townes einst unter seine Fittiche nahm, wird das ganz sicher bestätigen können. Ist nämlich, auch unter guten Freunden, nicht gerade der Regelfall, dass man kurzerhand zum “russisch Roulette” aufgefordert wird.

Doch zurück zum warum: weil der Mann nicht nur einfach Songs geschrieben, sondern Songs gelebt hat. Ein kleiner, wie auch feiner Unterschied in einer vom Kalkül geprägten Musiklandschaft, wo der Kommerz stets vor der Kunst steht. Das er dabei nie so erfolgreich war, wie die zahlreichen Interpreten seiner fulminanten Songs, ist dabei für mich nur eine Fußnote im Wind der Zeit. Genaun dort jedoch, werden wahre Perlen wie “Flying Shoes”, “Poncho & Lefty” oder das wunderschöne “If I Needed You”, mehr als nur einen Fußstapfen hinterlassen, während der nächste medial aufgeblasene Popstar, in seiner Seifenblase aus Glamour und Tuff, völlig lautlos an der nächsten Wand zerplatzt.

Und wer als Songwriter noch nie etwas von Townes Van Zandt gehört hat – so wie der Fisselbart, dem ich hier gleich meine Cowboystiefel an die Birne werfe – der sollte das schleunigst nachholen.

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Über Tom Reno

Lebt und arbeitet als freier Redakteur in Berlin, betreibt ein Tonstudio und verschönert die Welt mit Worten und Musik.

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