Johann Kuhnaus Frische Clavier-Früchte: Sonatenkulinarik für das Cembalo aus dem Jahr 1696

Mit diesem Album, das sieben Sonaten des Bach-Vorgängers als Leipziger Thomaskantor gespielt von Jan Katzschke präsentiert, kommt das exklusive Klassiklabel cpo aus dem Hause jpc einmal wieder in besonderer Weise seinem selbstgewählten Ziel einer besonderen Repertoirevielfalt nach. Hier wird eine ganz spezielle Rarität und nicht zuletzt ein Grundstein der Sonatenkomposition im deutschsprachigen Raum in einer glänzenden Interpretation vorgestellt.

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Cover (c) cpo

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Die Geschichte der Frischen Clavier-Früchte von Johann Kuhnau, die im vollen Titel als Sieben Suonaten von guter Invention und Manier auff dem Claviere zu spielen bezeichnet sind, stellt eine Erfolgsgeschichte besonderer Art dar. Kuhnau war zu dieser Zeit schon durchaus eine Berühmtheit. Mit gerade einmal 24 Jahren war er 1684 zum Thomasorganisten in Leipzig berufen worden und er hatte sich mit den beiden Teilen seiner Clavier-Übung aus dem Jahre 1689 und 1692 einen Ruf unter den Liebhabern der Musik für Tasteninstrumente erworben. Am Ende des zweiten Teils dieser Sammlungen, die wie am Ende des 17. Jahrhunderts üblich Suiten und Partiten enthielt, hatte er jedoch schon damals eine Besonderheit angefügt, eine eigens für ein Tasteninstrument geschriebene Sonate. Daraufhin baten ihn viele Musiker, noch mehr dieser Sonaten zu schreiben, und diesem Wunsch kam er nach, indem er 1696 seine Frischen Clavier-Früchte veröffentlichte.

Das Ergebnis ist die erste Sonatensammlung, die jemals von einem deutschen Komponisten geschrieben wurde. Verwechselt werden mit den Sonaten der sogenannten Wiener Klassik sollten sie aber nicht werden. Bei diesen Kompositionen des ausgehenden 17. Jahrhunderts handelt es sich nicht um solche, die auf dem Sonatensatzprinzip basieren, sondern um Musikstücke, bei denen eine „abwechslungsreiche Unterschiedlichkeit“ (so Jan Katzschke im Begleitheft) die Form vorgibt. In jedem Satz dieser sieben Sonaten, von denen die sechste sich durch eine französisch angehauchte Chaconne als Randsatz auszeichnet, versucht Kuhnau jeweils einen zugrundeliegenden Affekt auszuspielen.

Diese Affekte herauszuarbeiten gelingt dem Cembalisten, Organisten und Dirigenten Jan Katzschke auf beeindruckende wie rührende Weise zugleich. Vor allem die vielleicht nach heutigen Verhältnissen als etwas spröde zu empfindenden Höhepunkte einer jeden Sonate, die Fugen, spielt er als lebendigen Kontrapunkt, manchmal mit tänzerischer Rhythmik versehen, und erweckt sie dadurch zu neuem Leben.

Diese anregende, bereits im Jahre 2009 eingespielte Aufnahme der Frischen Clavier-Früchte von Johann Kuhnau ist im Juli 2013 erschienen. Ein Geheimtipp für alle diejenigen, die ihrer Sammlung erstklassiger Cembalo-Musik einen Meilenstein hinzufügen wollen, aber auch für solche Musikliebhaber, die Lust darauf haben, Kuhnaus Schaffen besser und näher kennenzulernen.

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